Thüringen kommt Coburg zu nah
Autor: Coburger Tageblatt
, Mittwoch, 01. Juli 2026
Der Landkreis kritisiert Windkraft-Entwürfe der Nachbarn. Warum sich die Pläne beißen.
Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Windkraft-Pläne im Landkreis Coburg: die neuen Wind-Vorranggebiete (VRG) zwischen Bad Rodach, Heldritt, Lempertshausen und Massenhausen (Thüringen). Auf diesen Flächen ist der Bau von Windrädern möglich.
Wenn es nach der Stadt Bad Rodach geht, könnten künftig auf den drei VRGs „4034 Gellnhausen-Süd“, „4035 Heldritt-Nordost“ und „4351 Gellnhausen-Nord“ insgesamt acht bis zehn Windräder stehen. Aber: Weitere Windräder könnten in Sichtweite auf Thüringer Gebiet errichtet werden.
So ist im Regionalplan Südwestthüringen ein 500 Hektar großes Vorranggebiet bei der Hohen Warte (W-35) eingezeichnet, keine drei Kilometer entfernt von den Vorranggebieten bei Bad Rodach.
Die Pläne in Thüringen
Der Coburger Kreistag hat kürzlich einstimmig beschlossen, eine Stellungnahme zum Regionalplan in Südwestthüringen abzugeben. Der vorgesehene Mindestabstand zwischen den Vorranggebieten (drei Kilometer) werde unterschritten, heißt es. „Die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen hat bei ihren Planungen bestehende Planungen in umliegenden Plangebieten zu berücksichtigen.“
Der Landkreis argumentiert, dass „durch die – zeitlich vorgelagerten – Planungen auf bayerischer Seite insbesondere für die grenznahen Ortsteile Vorbelastungen entstehen, die der Realisierbarkeit von Windenergieplanungen auf thüringischer Seite einschränken oder mitunter sogar entgegenstehen können“.
Vorrang für Franken?
Sinngemäß fordert der Landkreis: Neue Planungen aus Thüringen dürfen Orte in Bayern nicht zu stark umschließen oder bedrängen. Deshalb muss die Region prüfen, ob sich Windräder im Gebiet „W-35“ überhaupt sinnvoll umsetzen lassen.
Zumal auf fränkischer Seite die Windkraft-Pläne der Stadt Bad Rodach vorankommen: Im vergangenen Jahr hat sie Bürgerversammlungen initiiert und Flächen gesichert. „Für mich war die Frage wichtig: Machen die Grundstückseigentümer mit? Das ist der Fall“, sagte Bürgermeister Tobias Ehrlicher auf Nachfrage im April, nachdem Bad Rodachs Vorranggebiete im Regionalplan Oberfranken-West ausgewiesen wurden.