So hat es Kaiser Franz Beckenbauer ins Spielzeugmuseum geschafft
Autor: Coburger Tageblatt
Neustadt bei Coburg, Dienstag, 23. Juni 2026
Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft : Das Exponat des Monats Juni im Spielzeugmuseum ist eine Actionfigur von Franz Beckenbauer . „Für die Auswahl habe ich in unserem Inventar nachgesehen, was anlässlich der WM da ist – so bin ich auf die Actionfigur gestoßen“, sagt Sebastian Fischer , der als Sammlungswissenschaftler im Museum der Deutschen Spielzeugindustrie arbeitet.
„Die Figur hat eine Schussfunktion – das Gelenk in der Hüfte ist beweglich. Im Lieferumfang waren außerdem zwei Bälle, ein passender Trainingsanzug und ein Auslöser für den Schuss enthalten.“
Die Figur wurde als Werbemittel für Adidas von der Firma McCoy Lion Rock Ltd in Hongkong hergestellt. „Die Firma ist eine Tochter des amerikanischen Konzerns Mego Corporation aus New York. Diese wurde 1954 von Madeline und David Abrams gegründet“, erzählt Fischer über den Hersteller des Exponats. Die Firma stellte zunächst Wegwerfspielzeuge her, die man für wenig Geld kaufen konnte. Im Jahr 1971 übergab das Ehepaar die Firma dann an den gemeinsamen Sohn Martin, der den Fokus auf Actionfiguren änderte. „Schon im Folgejahr hat er Lizenzen für die Superhelden von DC und Marvel erwerben können. Durch den Deal kamen dann immer mehr Lizenzen dazu – zum Beispiel für Tarzan, Planet der Affen, den Boxer Muhammad Ali oder verschiedene Musikstars.“
Vier Jahre nach der Übernahme der Firma kam der unerwartete Wendepunkt: Ein Lizenzanwalt von Lucasfilm kam unangemeldet im Hauptsitz von Mego vorbei. „Martin Abrams war gerade in Japan auf Geschäftsreise, und außer ihm hatte keiner eine Vollmacht für die Unterzeichnung von Verträgen – so entging Mego unglücklich die Lizenz für Star Wars-Figuren“, berichtet Fischer.
„Die Konkurrenz von Kenner hatte ihren Firmensitz damals im gleichen New Yorker Gebäude, so dass die Star Wars-Lizenz noch am selben Tag dorthin verkauft werden konnte.“ Durch den großen und anhaltenden Erfolg der Filme und Actionfiguren sind immer mehr Lizenzgeber zu Kenner abgewandert. Mego hatte sich aufgrund dessen noch kurzzeitig auf Elektrospielzeug spezialisiert, was aber keinen Erfolg brachte.
„Schließlich musste die Firma 1982 Insolvenz anmelden und im Folgejahr schließen. Wenige Jahre später gründete Abrams aber eine neue Firma und erwarb später erneut die Markenrechte an Mego-Toys,“
Historische Actionfiguren sind gefragt. „Die Figur von Franz Beckenbauer ist im Internet erhältlich – Sammler geben für eine Figur ohne Zubehör und Verpackung zwischen 200 und 500 Euro aus. In dem Zustand, wie sie uns vorliegt, wird sie für 6500 Euro gehandelt“, sagt Sebastian Fischer .