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Schwarze Schafe beim Mindestlohn?


Autor: Coburger Tageblatt

Coburg, Montag, 09. Februar 2026


Die meisten der rund 4640 Minijobber in Coburg müssten vom neuen gesetzlichen Mindestlohn profitieren, der seit Januar bei 13,90 Euro pro Stunde liegt. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hervor.

Marcel Adelhardt, Geschäftsführer der NGG Oberfranken, äußerte Zweifel, ob alle Arbeitgeber in Coburg tatsächlich den Stundenlohn entsprechend angehoben haben. „Aber ob alle Chefs in Coburg tatsächlich 1,08 Euro beim Stundenlohn im Januar draufzahlen, das ist die große Frage“, sagt Adelhardt.

Schwarze Schafe

Er warnt davor, dass es „ganz sicher schwarze Schafe geben“ werde. Adelhardt geht davon aus, dass einige Arbeitgeber versuchen könnten, den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen. Besonders wichtig sei daher die Kontrolle der Januar-Lohnabrechnung, die im Februar ausgezahlt wird. Dies gilt laut NGG vor allem für Minijobber, aber auch für Beschäftigte in regulären Jobs ohne Tarifvertrag, die an der unteren Lohnkante bezahlt werden.

Wer Unterstützung bei der Kontrolle der eigenen Lohnzettel benötigt und in Coburg in der Lebensmittelherstellung oder Gastronomie arbeitet, findet laut Pressemeldung Hilfe bei der NGG unter Telefon 0921/844480 und per E-Mail an region.oberfranken@ngg.net.

Klarer Verstoß

Adelhardt betont, dass bei der Überprüfung auch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit berücksichtigt werden müsse. „Die Zahl der tatsächlich geleisteten Stunden muss stimmen. Wenn Arbeitgeber die Arbeitszeit auf dem Papier nach unten schrauben, um den Stundenlohn passend zu machen, dann können sie so den Mindestlohn umgehen. Das ist aber ein klarer Verstoß gegen das Gesetz“, so Adelhardt.

Für die NGG sei entscheidend, dass der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro tatsächlich gezahlt werde. Adelhardt kritisiert, dass die Zahl der Kontrollen zu niedrig sei und sieht auch in Coburg ein geringes Risiko, dass Mindestlohnbetrüger entdeckt werden. Er ist überzeugt, der Mindestlohn müsse konsequent kontrolliert werden – von den Beschäftigten selbst, aber auch vom Staat. Der Bund brauche dringend effektivere Kontrollen, um Missbrauch und Lohntrickserei einzudämmen.

Deutliches Signal

Die NGG sieht Nachholbedarf bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls. „Was jetzt kommen muss, ist ein deutliches Signal des Bundesfinanzministers an die Wirtschaft: Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit muss personell aufgestockt werden. Nur so kann es mehr und intensivere Kontrollen geben. Der Kontrolldruck muss bei den Betrieben in Coburg steigen.“

Abschließend stellt Adelhardt klar: „Wirklich fair ist nur der Tariflohn. Der Mindestlohn ist immer nur die Notlösung.“ Deshalb sollten sich die Bundestagsabgeordneten rasch für ein Bundestariftreuegesetz starkmachen. red