Druckartikel: Krankheit und Religion als Todesurteil

Krankheit und Religion als Todesurteil


Autor: Coburger Tageblatt

, Freitag, 10. Juli 2026

Ausstellung im Coburger Staatsarchiv zeigt Vorgänge in Kutzenberg während des Nationalsozialismus auf
Die Heil und Pflegeanstalt Kutzenberg um 1940.  Repro: Wolfgang Schoberth


Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen in Tötungsanstalten ermordet. Aus der Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg betraf dies mehr als 400 Frauen und Männer, weitere starben in Folge gezielter Unterversorgung. Den ersten zehn Opfern, die zudem jüdischer Abstammung waren, ist die Sonderausstellung „Doppelt stigmatisiert“ der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken gewidmet. Sie ist im Staatsarchiv Coburg ab sofort bis zum 4. September bei freiem Eintritt zu sehen.

Eröffnung mit Dippold

Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold wird im Rahmen eines Einführungsvortrags am Montag, 20. Juli um 18 Uhr im Staatsarchiv Coburg die historischen Hintergründe erläutern. „Niemand kann die Verbrechen je ungeschehen machen und diejenigen, die Schuld trugen, sind lange tot“, wird Dippold in einer Pressemitteilung des Bezirks zitiert. „Was bleibt, ist die Verantwortung, an die Opfer jenes Mordens zu erinnern und die Verantwortung für das eigene Tun.“

Coburg Opfer

Ein weiterer Vortrag von Marcus Mühlnikel beschäftigt sich am Mittwoch, 29. Juli, 18 Uhr im Staatsarchiv Coburg mit Zwangssterilisation und „ Euthanasie “. Die Rolle der Hilfsschulen in Ober- und Mittelfranken für die nationalsozialistische Rassenhygiene . Am Mittwoch, 5. August, 18 Uhr, wird die Coburgerin Gaby Schuller um 18 Uhr über ihre Recherchen zu Kutzenberger T4-Opfern aus dem Coburger Raum berichten. Sie geht dabei auch auf die Biographien einiger jüdischer Opfer wie Meta Frankenberg ein, deren Schicksal in der Ausstellung behandelt wird. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei.

Die Ausstellung „Doppelt stigmatisiert. Jüdische Opfer der NS-Krankenmorde aus Kutzenberg“ ist bis zum 4. September zu den Öffnungszeiten des Staatsarchivs Coburg in der Herrngasse 11 zu sehen (Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 13.30 Uhr). Wer hinein will, muss an der Eingangstüre klingeln.

Die Ausstellung

Auf 21 Tafeln zeigt die Ausstellung Hintergründe und Informationen zu den Vorgängen ab 1939: In den sogenannten T4-Aktionen wurden die Menschen aus den Heil- und Pflegeanstalten im busweise in Tötungsanstalten deportiert. Insgesamt wurden so zwischen September 1940 und Juni 1941 mehr als 400 Frauen und Männer aus Kutzenberg systematisch ermordet. Proteste von Angehörigen und Kirchen stoppten im August 1941 das systematische Töten, doch viele Patienten starben weiterhin durch Mangelversorgung, zynisch „Hungerkost“ genannt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Biographien der zehn Opfer mit Namen und Informationen, meist aus ihren Patientenakten. Einige Opfer aus Oberfranken, deren Schicksal besser erforscht werden konnte, werden exemplarisch ausführlicher dargestellt. Historische Fotografien und Dokumente geben Einblick in den Anstaltsalltag.  red