„Es ist ihnen alles zuzutrauen“
Autor: Coburger Tageblatt
, Donnerstag, 17. Sept. 2026
Opfer sagen über ihre Peiniger vor Gericht im Rocker-Prozess aus
„Ich habe meinen Mann auf dem Boden liegen sehen und nur gehofft, dass er wieder aufsteht. Dass ich ihn mit nach Hause nehmen kann“, erinnert sich die Frau eines der Opfer an die Nacht des Karfreitags 2025. Und sie konnte ihn mit nach Hause nehmen, allerdings mit gebrochener Nase. Wie es den Opfern einer Schlägerei unter Motorradclubs heute geht, wie Zeugen den Abend schildern und wie ein Sachverständiger die Verletzungen einschätzt, steht am zweiten Prozesstag im Mittelpunkt.
Vor dem Landgericht müssen sich fünf Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Laut Anklage waren Mitglieder eines Motorradclubs am Karfreitag, 18. April 2025, zunächst unangekündigt und uneingeladen auf einer Feier eines rivalisierenden Clubs auf dessen Gelände im Landkreis Lichtenfels erschienen. Nachdem sie später am Abend zum Gehen aufgefordert worden waren, sollen sie beschlossen haben, zurückzukehren, um den Feiernden eine Abreibung zu verpassen. Auf dem Clubgelände eskalierte die Situation: Drei Männer sollen teils massiv angegriffen sowie gegen Kopf und Oberkörper geschlagen und getreten worden sein.
Der erste Prozesstag
Am ersten Prozesstag taten sich vor allem zwei Angeklagte hervor, während die anderen drei zu den Vorwürfen schwiegen. Der Jüngste im Bunde, den wir „den Geständigen“ getauft haben, legte eine umfangreiche Aussage zu seinen angeblichen Taten, aber auch zu denen seiner Mitangeklagten ab. Darunter ist auch „der Gekränkte“. Seinen Spitznamen hat er erhalten, weil er die Frage eines Clubmitglieds nach einer Einladung für die Feier als „unherzlich“ empfunden und nach eigenen Angaben „etwas persönlich“ genommen habe. Auch er hat sich zu den Tatvorwürfen geäußert, allerdings nur seine Rolle betreffend und in den Augen des Staatsanwalts auch nicht zufriedenstellend.
Der erste Zeuge am Dienstag ist eines der Opfer. „Wir hatten an dem Karfreitag eine geschlossene Veranstaltung. Aber sie kamen trotzdem. Ich habe dann nach der Einladung gefragt“, schildert der 45–Jährige. Schon dabei habe es einige Sticheleien gegeben, aber man habe sie bei der Feier geduldet. Das Verhältnis der beiden Clubs sei schon zuvor schlecht gewesen, unter anderem, weil es bereits früher mal zu einem gewalttätigen Vorfall gekommen sei.
Gegen 23 Uhr sollte die Veranstaltung offiziell enden, doch es habe Diskussionen gegeben. „Da haben sie sich schon zusammengerottet. Und ich hatte schon ein mulmiges Gefühl“, sagt der 45-Jährige.