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Erste, vorsichtige Anzeichen einer Erholung – und Jobverluste


Autor: Coburger Tageblatt

Coburg, Donnerstag, 29. Januar 2026


„Die konjunkturelle Schwächephase der Unternehmen im Coburger Wirtschaftsraum dauert an – es gibt aber vereinzelt erste, vorsichtige Anzeichen, dass die Talsohle endlich erreicht ist“, kommentiert Coburgs IHK-Präsident Andreas Engel die neuste Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg . Er sagt aber auch, dass Zweifel an einer Wende zum Besseren bleiben. Vor allem seien bei den Erwartungen die Pessimisten in der Mehrzahl.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, ein Mittelwert aus der Beurteilung der Wirtschaftslage und der Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen, ist um neun Punkte gestiegen. Mit seinem jetzigen Stand von 102 liegt er laut einer Mitteilung der IHK zu Coburg nun wieder über dem neutralen 100er-Wert. Diesen hatte der Indikator seit beinahe drei Jahren nicht mehr erreicht.

Leicht ins Positive

Dennoch: Die Geschäftslage der Wirtschaft in Coburg bleibt angespannt und verharrt auf niedrigem Niveau. Vor allem Industrie und Handel kommen nur langsam voran. Aktuell bezeichnen 26 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 24 Prozent beurteilen sie als schlecht und die Hälfte sieht sie als befriedigend an. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen ist damit seit fast zwei Jahren erstmals wieder ins Positive gestiegen und liegt nun bei zwei Punkten (Vorumfrage: minus acht Punkte).

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen sind uneinheitlich. 22 Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften (zuvor 16 Prozent), fast genauso viele erwarten allerdings das Gegenteil und 57 Prozent gehen von unveränderten Geschäften aus. Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt gegenüber dem Herbst leicht um sechs auf einen Punkt.

Blick auf die Industrie

Die exportorientierte Industrie im Bereich der IHK zu Coburg befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Lage, „nicht zuletzt wegen der hohen Arbeits- und Energiekosten sowie der Bürokratiebelastung“, wie es in der Mitteilung der IHK heißt. Hinzu kommen die hohen Importzölle der Vereinigten Staaten, die Aufwertung des Euro und der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China. Derzeit berichtet jeder fünfte Hersteller von guten Geschäften, während knapp ein Viertel über einen schlechten Geschäftsverlauf klagt. Der Saldo der Geschäftslage steigt gegenüber der Vorumfrage um 15 Punkte auf minus vier (Vorumfrage: minus 19). Das liegt zwar weiterhin unter dem langjährigen Schnitt von elf Punkten, gegenüber dem Vorjahr ergibt sich jedoch ein Zuwachs um 29 Saldopunkte.

Aufträge gehen zurück

Viele Industriebetriebe kämpfen mit rückläufigen Umsätzen und geringen Erträgen. Auftragsreserven sind weitgehend aufgebraucht, und die aktuelle Nachfrage der Industriekunden aus dem In- und Ausland bleibt träge. Infolgedessen schrumpfen die Auftragsbestände.

Mehr als ein Drittel der regionalen Betriebe hält das eigene Auftragsvolumen für zu gering, nur acht Prozent freuen sich über ein komfortables Auftragspolster.

Trotz einer gewissen Aufhellung verdeutlichen die Antworten der Industriebetriebe, dass es keine breite konjunkturelle Belebung gibt. 16 Prozent der Unternehmen gehen in den kommenden Monaten von einer Besserung aus (zuvor 13 Prozent). Hingegen erwarten weiterhin 22 Prozent eine Verschlechterung der Geschäfte.

Insbesondere die Arbeitskosten werden mit 82 Prozent (Vorumfrage: 75 Prozent) als größtes Risiko für die Entwicklung ihrer Betriebe angesehen. Dieser Wert liegt damit auf einem Höchststand. Die Investitionsbereitschaft bleibt schwach und die Beschäftigungspläne sind restriktiv: 96 Prozent der Betriebe haben derzeit entweder keinen Personalbedarf oder planen, Stellen zu streichen. red