Eine Notrufnummer für die belastenden Fälle des Lebens
Autor: Coburger Tageblatt
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Ein Streit eskaliert, die Angst wird übermächtig, eine Trennung reißt einem den Boden unter den Füßen weg: Seit mittlerweile fünf Jahren ist in Oberfranken in psychischen Belastungssituationen der Krisendienst unter der 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar. Am anderen Ende der Leitung: Mitarbeitende, die zuhören und helfen, akute Krisen zu meistern und in besonders kritischen Fällen auch konkrete Hilfe schicken können.
„Die Anrufzahlen beim Krisendienst in Oberfranken sind seit Beginn im Jahr 2021 bis heute kontinuierlich gestiegen: von rund 4900 Kontakten im ersten Jahr auf über 9400 im Jahr 2025. Das zeigt uns, dass zum einen unser Angebot immer bekannter wird, zum anderen aber auch der Bedarf wirklich da ist“, erklärt Bezirkstagspräsident Henry Schramm in einer Pressemitteilung.
Eingerichtet wurde der Krisendienst vor dem Hintergrund des Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes. In allen Regierungsbezirken bieten heute Krisendienste unter der einheitlichen Rufnummer 0800 655 3000 ihre Hilfe an. In Oberfranken nahm der Dienst Anfang des Jahres 2021 seine Arbeit auf, seit dem 1. Juli 2021 ist er rund um die Uhr erreichbar.
Zunächst wurde die Leitstelle des Krisendienstes Oberfranken von Dr. Loew Soziale Dienstleistungen betrieben, zum 1. April 2026 folgte der Wechsel zur Diakonie Hochfranken . Die Mobilen Teams, die in besonders schwerwiegenden Fällen auf Wunsch der Betroffenen vor Ort Hilfe leisten, werden in Kooperation mit den Sozialpsychiatrischen Diensten in Oberfranken und den AWF-Diensten der Diakonie Hochfranken gestellt.
Jede Hilfe beginnt zunächst mit dem Anruf. Am anderen Ende der Leitung sitzen Fachkräfte aus Psychologie, Sozialpädagogik und psychiatrischer Pflege. Sie hören zu, ordnen die Lage ein und besprechen mit den Anrufenden, was als Nächstes möglich und nötig ist. Bei Bedarf vermitteln sie auch weiterführende Hilfsangebote.
Wenn die Situation besonders angespannt oder unübersichtlich ist, kann der Krisendienst auch vor Ort unterstützen. Mobile Teams kommen dann innerhalb von maximal einer Stunde direkt zu den Betroffenen. Die Zahl der mobilen Einsätze hat – wie auch die Anrufzahlen - ebenfalls deutlich zugenommen: von 161 im ersten Jahr auf 248 im Jahr 2025.
Martin Schuster, Gebietskoordinator des Krisendienstes Oberfranken , gibt einen Einblick in die Statistik: die größte Gruppe der Anrufer sind junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren. „Immer häufiger geht es um Probleme im privaten Umfeld, aber auch um Depressionen und akute Belastungssituationen“, erläutert Schuster. Auffällig sei zudem, dass sich zunehmend Angehörige an den Krisendienst wenden. Krisen betreffen meist nicht nur eine einzelne Person, sondern das ganze Umfeld.