Mitten in der Corona-Krise wagt Regina Stöcker den Schritt in die Selbstständigkeit - mit einem Café. "Ich spielte schon seit längerem mit dem Gedanken, immer wieder kam etwas dazwischen", erklärt die 39-Jährige. Jetzt habe sich durch Zufall etwas ergeben, "und ich dachte mir: jetzt oder nie". Konkret ist sie die neue Pächterin des "Café Stamm" am Kulmbacher Kressenstein, ein Traditionsobjekt, das auch deswegen seinen historischen Namen behält. Aus dem Stadtarchiv hat sich Regina Stöcker sogar schon alte Fotos besorgt, die einmal die Wände im komplett umgebauten Café zieren sollen.

Auf 85 Quadratmetern - mit der Terrasse sind es knapp 100 Quadratmeter - will Regina Stöcker, die seit 2000 in der Gastronomie tätig ist, ihre Gäste begrüßen und mit vorwiegend regionalen Genüssen verwöhnen. "Frühstück, hausgebackene Kuchen und Torten und kleine Speisen werden wir ebenso anbieten wie das Catering von privaten Feiern oder das Backen von Hochzeitstorten." Dafür hat sie auch schon eine Tortenfee engagiert, die künftig im Café Stamm backen und Tortenfans mit selbst gestalteten Motivtorten überraschen wird.

Gutes Konzept und Erfahrung

Ehemann Michael unterstützt Regina Stöcker als selbstständiger Koch mit seiner Erfahrung. "Ich denke, wir wissen, was wir tun", sagt Regina Stöcker. Man brauche ein gutes Konzept, müsse wissen, worauf es ankommt, und mit der vorhandenen Erfahrung habe es auch bei den Kreditgebern kein Problem gegeben. Ab der zweiten Jahreshälfte will sie das Café im Tagesbetrieb bis 18 Uhr betreiben, denn für die beiden Kinder, zwei und sieben Jahre alt, soll auch noch Zeit bleiben.

"Uns war es wichtig, in die Ausgestaltung des Cafés auch möglichst viele Unternehmer vor Ort einzubinden", sagt die junge Unternehmerin. So zeichnet etwa die Firma Schrutka-Peukert für die Inneneinrichtung ("eine Mischung aus modern und gemütlich") verantwortlich. Schließlich will Regina Stöcker ein gemischtes Publikum ansprechen, jeder soll sich hier wohlfühlen.

Exklusivberatungen bei Lieferanten

Bislang verliefen alle Arbeiten reibungslos, es habe wenig gegeben, weswegen man sich Tag und Nacht hätte den Kopf zerbrechen müssen. "Das einzige Hindernis ergab sich bislang durch die Kurzarbeit. Da war es schwer, Termine zu bekommen." Letztlich aber genoss es Regina Stöcker, in dieser Corona-Zeit fast schon Exklusivberatungen bei Lieferanten erhalten zu haben.

Dass aktuell noch alle Gastronomiebetriebe geschlossen haben, kommt der Neugründerin sogar gerade recht: "So verpassen wir kein großes Geschäft."

Natürlich sei es eine Herausforderung, selbst von Grund auf etwas aufzubauen, man habe schon deutlich mehr investieren müssen, als wenn man einfach etwas Bestehendes übernommen hätte. "Aber es ist spannend und es macht Spaß, das zu begleiten", sagt Michael Stöcker, der seine Frau von Anfang an in ihrem Vorhaben unterstützte.

Letztlich werde Corona ja auch einmal ein Ende haben, ergänzt seine Frau Regina. "Die Leute sehnen sich ja danach, wieder mal fortzugehen, das merken wir ja auch an uns selbst." Selbstverständlich machten sie sich Gedanken, aber: "Man gestaltet positiv. Wir haben jetzt die Möglichkeit, so etwas aufzubauen, und würden uns vermutlich ärgern, wenn wir diese Chance nicht ergriffen hätten."