Gemünda — Seit Kurzem steht ein "Fingerzeig des Lebens" neben der Johanneskirche in Gemünda. Dabei handelt es sich um ein Kunstwerk, das die Blicke auf sich zieht. Seine stelenartige Form und die Struktur seiner Bögen, die meist in Dreierreihen in Etagen übereinander angeordnet sind, lassen das Objekt wie ein architektonisches Gebilde wirken. Was hat es auf sich mit der Eisenkonstruktion, die der Rost bereits in Beschlag genommen hat?
In einigen Monaten entstand das Kunstwerk in der Gegenwart. Ausgangspunkt ist aber das Jahr 1517, als Martin Luther am 31.Oktober seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll.
Die evangelisch-lutherische Kirche feiert aus diesem Grund 2017 ein Jubiläum: 500 Jahre Reformation. In der Zeit bis zum Lutherjahr 2017 plant die Kirche eine Fülle von Veranstaltungen. So hat die evangelisch-lutherische Regionalbischöfin, Dorothea Greiner, ein Projekt ins Leben gerufen, das es in sich hat. Zwölf Künstler aus Oberfranken sollten Kunstwerke zu zwölf Bibelworten schaffen, die in zwölf Kirchengemeinden präsentiert werden. Titel: "12 (W)Orte: Ein Kunstprojekt zur Lutherdekade im Kirchenkreis Bayreuth." Über das Vorhaben wurde überregional berichtet.
"Das haben mein Mann und ich beim Frühstück gelesen und waren uns sofort einig, wir müssen uns bewerben", erzählte Pfarrerin Kathrin Neeb, die sich mit ihrem Gatten Andreas Neeb die Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Gemünda teilt.
Damit nicht genug: Auch Hendrik Dressel, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Seßlach und Vorsitzender der Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda", hatte von "12 (W)ORTE" gehört und kam auf das Pfarrerehepaar Neeb zu. So reichte die Kirchengemeinde zusammen mit der Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda" die Bewerbungsunterlagen ein und erhielt neben elf anderen den Zuschlag als Standort für eines von zwölf Kunstprojekten.
Insgesamt 17 Gemeinden hatten sich beworben. Offen blieb noch die Frage, welcher Künstler für Gemünda tätig wird. Bei einer Veranstaltung fanden schließlich Gerd Kanz, Künstler aus Untermerzbach, und die Kirchengemeinde zueinander. "Es war Liebe auf den ersten Blick", hob Kathrin Neeb hervor. Kanz entwarf sein Kunstwerk zum Bibeltext im Ersten Buch Mose, der Schöpfungsgeschichte. Dabei kam es zu einem intensiven Dialog mit den Geistlichen und Vertretern der Kirchengemeinde, bis Kanz sein Objekt geschaffen hatte.
Nun war es so weit: Künstler und Kirchengemeinde enthüllten feierlich das Kunstwerk im Umfeld der Kirche. Gerd Kanz erläuterte dabei das Ergebnis seines künstlerischen Schaffens. Himmel und Erde seien dabei zentrale Begriffe. Die Stele habe ein festes Fundament im Boden, rage aber in den Himmel. "Das Werk ist aus Eisen, ein großer Teil unserer Erde besteht aus Eisen", so Kanz.
Das Kunstobjekt rege die Fantasie an: "Es ist eine Einladung an den Betrachter, über sein Leben nachzudenken und es in die Hand zu nehmen." Kanz bezeichnete sein Werk deshalb als "Fingerzeig des Lebens". Es ergänzt den bestehenden "Garten der Besinnung" neben der Johanneskirche. cahö