Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wirft jeder Deutsche pro Jahr mindestens 55 Kilogramm Lebensmittel weg. Insgesamt sind das 4,4 Millionen Tonnen Lebensmittel, die zu Abfall werden - 150 Gramm pro Person und Tag. Das wenigste davon ist schlecht, sondern möglicherweise nur unansehnlich oder jenseits der Mindesthaltbarkeit. Das meiste davon könnte also noch gegessen oder verarbeitet werden.

Darüber hinaus verfolgen viele Supermärkte die Strategie, nie ein Produkt ausgehen zu lassen und lieber zu viel vorrätig zu haben. Ein frustrierter Kunde, der leer ausgehe, so die Argumentation, komme nicht wieder.

Der Lebensmittelpunkt in Höchstadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, hier ein Zeichen zu setzen. Mit einem vom Freundeskreis, von der Firma Martin Bauer und dem Rewemarkt Zwingel gesponserten Kühllaster fährt der soziale Betrieb der Laufer Mühle verschiedene Supermärkte und einige Filialen der Firma "Der Beck" an, sortiert die Ware am Standort in der Lindenstraße in Höchstadt und verteilt sie an Bedürftige oder an Projekte wie das Schulfrühstück der Ritter-von-Spix-Schule.

Das Konzept ist vorbildhaft und preisgekrönt. Dennoch sind die Sozialen Betriebe der Laufer Mühle nicht wirklich glücklich. Der Grund: Die Städte und Gemeinden, die letztlich profitieren, fühlen sich nicht verantwortlich. Einzig der Landkreis leistet jedes Jahr seinen Beitrag. Außer bei einer Handvoll Sponsoren ist die Begeisterung längst abgeflacht.

Für den Vorstand des Freundeskreises ist das Projekt aber nach wie vor eine Herzensangelegenheit. Deshalb hat er sich vor Ort umgeschaut, sich die Arbeit zeigen und die Probleme schildern lassen. "Beeindruckend, was hier geleistet wird", resümierte Vorsitzender Reinhard Lugschi. Beeindruckt war die Gruppe von den unglaublichen Mengen, die nach der Sortierung dennoch entsorgt werden muss. "Man muss trotz aller Freude über die vielen Lebensmittelspenden schon auch aufpassen, dass man nicht zur Müllbeseitigung missbraucht wird", waren sich alle einig. red