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Bayernweit einmaliges Konzept


Autor: Redaktion

Kulmbach, Mittwoch, 09. Dezember 2020

Das Kinderhaus der Geschwister-Gummi-Stiftung wird morgen bei der "Sternstunden-Gala" vorgestellt.
Blick auf die traumapädagogische Kinderwohngruppe "Kinderhaus Sternstunden" der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach Foto: privat


Die traumapädagogische Wohngruppe der Geschwister-Gummi-Stiftung wird am Freitagabend in der Sternstunden-Gala des Bayerischen Fernsehens vorgestellt. Das Kulmbacher "Kinderhaus Sternstunden" bietet Jungen und Mädchen, die schwerste traumatische Erlebnisse wie Vernachlässigung, körperliche oder sexuelle Gewalt erleben mussten, Schutz und Zuflucht.

Kevin Lamour, Leiter einer Wohngruppe im "Kinderhaus Sternstunden", wird am Freitag nach München reisen und in der Live-Sendung auf Fragen der Moderatoren und auch auf die zusätzlichen Belastungen für Kinder und Fachkräfte eingehen. Ein Filmbeitrag richtet außerdem den Blick auf die Abläufe der Einrichtung und die dort geleistete traumapädagogische Arbeit. Die Gala wird ab 20.15 Uhr ausgestrahlt.

Ein "sicherer Ort"

Die traumapädagogische Wohngruppe für Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren ist bayernweit einmalig. Hier gilt das Prinzip des "sicheren Ortes". Jedes Kind hat ein Einzelzimmer, das von innen durch einen Drehknauf absperrbar ist. So sichert es selbst seinen Rückzugsort und nimmt sich je nach Bedarf eine Auszeit vom Gruppengeschehen.

Im Fokus der Arbeit liegt der traumapädagogische Grundsatz der "Vorhersehbarkeit" - alle Ereignisse und Aktionen werden transparent den Kindern mitgeteilt und je nach Alter und Reife dürfen sie ihren Alltag mitbestimmen und mitgestalten. Feste und traumapädagogisch sinnvolle Strukturen und Abläufe geben den Kindern Sicherheit, Orientierung und Halt. Das ganze Umfeld ist an die Bedürfnisse dieser ganz besonderen Kinder angepasst, es ist eine kleine eigene Welt, sozusagen ein "Trauma-Planet für außerirdische Kinder".

So erfahren die Kinder Selbstwirksamkeit statt wie früher Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit. Sie erleben hier oft zum ersten Mal Freude, Spaß, Spiel, also eine Kindheit.

Talente erforschen

Im Gruppenalltag wird versucht, die individuellen Talente und Stärken zu erforschen und zu nutzen. Das Kind lernt, Wut zu kontrollieren und Frustration auszuhalten. Durch vielfältige traumapädagogische Methoden werden die Kinder durch den Alltag geführt. Jedes Kind, das im Kinderhaus aufgenommen wird, kann grundsätzlich in der Geschwister-Gummi-Stiftung bleiben. Nach geplant zwei Jahren wird ein Wechsel in eine therapeutische Wohngruppe angestrebt, in der die Strukturen aufgelockerter sind.

Das Jahr 2020 mit seinem "Lockdown" bedeutete eine hohe Veränderung von bisher sicheren Abläufen und brachte viel Unsicherheit und Fragen. Auch für alle Mitarbeitenden war es anfangs eine große Herausforderung, die Kinder nun durchgehend - ohne Schul- oder Kindergartenabwesenheiten - zu betreuen. Dank der hohen Professionalität, der großen Belastbarkeit und Flexibilität jedes Einzelnen im Team und die Unterstützung der Schulbegleiter der Kinder gelang es, den neuen Alltag umzustrukturieren und sinnvoll zu gestalten. Die Kinder konnten adäquat und traumapädagogisch aufgefangen werden und lernen, sich auf ihre neuen Aufgaben im Alltag einzustellen.

Weitere Informationen finden Interessierte unter www.gummi-stiftung.de oder www.br.de/sternstunden. red