Rumms! Besonders bei Brummis scheppert es gewaltig, wenn sie den früheren Bahnübergang bei Römershag - jetzt eine Radwegkreuzung - überqueren. Eigentlich sollte die B286 zwischen Bad Brückenauer Stadtteil und Abzweig nach Riedenberg und Wildflecken ab dem Spätsommer erneuert werden - und die als "Sprungschanze" verschriene Kreuzung gleich mit. Doch nun verkündete Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) im Stadtrat die schlechte Nachricht: Erneuert wir erst im Sommer 2022. Indes erhalten die lärmgeplagten Anwohner ein Fünkchen Hoffnung.

Im April hatte das Staatliche Bauamt Schweinfurt auf Nachfrage mitgeteilt, dass auf 1,3 Kilometern "die Deck- und Binderschicht sowie teilweise auch die Tragschicht erneuert und die Straße, welche abschnittsweise Engstellen mit einer Breite von unter sechs Metern aufweist, verbreitert" wird. Bei der Gelegenheit sollten Straße und Radweg so verschwenkt werden, dass die Stelle, wo beide aufeinandertreffen, übersichtlicher wird (wir berichteten).

Doch wie aus einem Bauamt-Schreiben hervorgeht, muss die Ausbaustrecke um 80 Meter ausgeweitet werden. Zudem wird bei der Entwässerung der B286 nachgelegt, auch, um das Römershager Wasserschutzgebiet besser vor Verunreinigung zu bewahren. Das alles verlängere die Planung und auch die Erneuerung der Straße an sich. Bis zu den Sommerferien sei der Baustart nicht mehr zu schaffen. Da viel Schulbusverkehr die Strecke nutzt, kann man sie nicht einfach während der Schulzeit sperren - sondern erst in den Sommerferien 2022.

Tempo 60 möglich?

Die Verzögerung eröffnet laut dem Bürgermeister eventuell die Möglichkeit, für die Anwohner und die Verkehrssicherheit etwas zu tun - durch eine Tempobeschränkung auf 60 km/h. Von der Autobahn beziehungsweise Staatsstraße 2289 kommend besteht bereits ein sogenannter "Geschwindigkeitstrichter"; Autofahrer müssen vor der Kreuzung Straße/Radweg von maximal 100 auf 80 und dann 60 runterbremsen.

In die Gegenrichtung fehlt eine solche Begrenzung. Was laut Stadt und Anwohnern dazu führt, dass Auto- und Motorradfahrer ab dem Ortschild von Römershag "aufdrehen" und Geschwindigkeiten von 70, 80 km/h erreichen. Sie würden "sehr schnell in den nach circa 80 Metern folgenden Querungsbereich des Bahnradweges einfahren", stand in der Beschlussvorlage der vergangenen Stadtratssitzung.

Eine Tempobegrenzung wäre demnach aus Sicht der Stadt sinnvoll, weil sie die Unfallgefahr verringere. Ein Unfall könne gerade für die dortige Wasserschutzzone "erhebliche Einwirkungen auf das Schutzgut haben". Auch nach der geplanten Verlegung des Bahnradwegs würden sich die Sichtverhältnisse an der Stelle nicht grundsätzlich verbessern.

Das Landratsamt sieht die Sache laut Beschlussvorlage offensichtlich weniger kritisch. Aufgrund der Straßenlage und -beschaffenheit werde eine schnellere Geschwindigkeit als 60 km/h üblicherweise ohnehin nicht erreicht; eine zusätzliche Beschilderung sei momentan nicht erforderlich. Die Polizei in Bad Brückenau teile diese Meinung im Wesentlichen.

Das Landratsamt bietet aber an, die Verkehrssituation neu zu bewerten, wenn die B286 saniert und der Radweg verlegt worden ist. Also frühestens nach Abschluss der Bauarbeiten Ende nächsten Jahres. Dann sollen auch detailliert Geschwindigkeiten gemessen werden.

Tempo 60 "dringend geboten"

Damit wollte sich die Mehrheit der Stadträte nicht abfinden. David Fronczek (SPD) wohnt selbst nicht weit von der Bundesstraße entfernt. Und hat als stellvertretender Ortsreferent für Römershag an Vor-Ort-Terminen mit Landratsamt und Staatlichem Bauamt teilgenommen.

Fronczek hält eine Tempobeschränkung für "dringend geboten". Eine Verkehrsmessung zeige, dass die Autofahrer an der Radwegkreuzung langsam fahren würden. Das liege am schlechten Zustand der Stelle; dort liegen immer noch Gleise im Asphalt vergraben. Ein weiterer Messpunkt etwas abseits zeige, dass einige Leute 80 bis 90 km/h fahren - auch wenn es nicht die Mehrheit sei.

Noch schneller durch Gefahrenstelle

"Die 'Sprungschanze' wird verschwinden, und dann fahren die Leute noch schneller in die Radwegkreuzung rein", fürchtet der Römershager. Außerdem kämen die Anwohner der Straße bei hohen Geschwindigkeiten nicht sicher von ihrem Grundstück. Adelheid Zimmermann (FDP) fragte, ob Tempo 60 wirklich notwendig sei.

Am Ende entschied sich der Stadtrat mehrheitlich (bei zwei Gegenstimmen) "die dargestellte Gefährdungslage (...) anzuerkennen. Gleichzeitig erteilte das Gremium der Stadtverwaltung - mit Blick auf die Verschiebung des Ausbaus der B286 - den Auftrag, "bei den zuständigen Behörden nochmals die Errichtung einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h zu beantragen".