Autoindustrie: IG Metall fordert europäische Strategie statt längerer Arbeitszeiten
Die IG Metall warnt davor, Sparprogramme in der deutschen Autoindustrie allein auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. „Lohnverzicht hat noch nie einen Arbeitsplatz gerettet“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Horst Ott. In der Autoindustrie fehlt es derzeit an Aufträgen, bei Volkswagen wird über die Schließung von Werken gesprochen, auch andere Hersteller wollen ihre Kosten senken.
Die Gewerkschaft will längere Arbeitszeiten abwehren: „Mercedes holt wieder die Forderung nach der 40-Stunden-Woche raus, damit würden wir nur Arbeitslosigkeit generieren“, warnte Ott. Die Werke seien bereits heute nicht ausgelastet. Eine 40-Stunden-Woche würde die Stellen anderer Beschäftigter überflüssig machen. Es gebe bessere Antworten. „Wir waren mit der 35-Stunden-Woche schon Export-Weltmeister“, erinnert Ott.
Politische Reformen sollen nach dem Willen der schwarz-roten Bundesregierung den Standort Deutschland fit machen. Auch hier warnt die Gewerkschaft vor übereilten Einschnitten: „Es hilft nicht, den Schuldigen bei den Arbeitnehmern zu finden, die angeblich zu häufig krank sind“, sagte Ott.
Verlagerungen ins Ausland
In den vergangenen zwölf Monaten haben 48 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe Tätigkeiten in der Produktion ins Ausland verlagert. In der Auto- und Zulieferindustrie waren es sogar 74 Prozent. Auch die Entwicklungsarbeit findet häufiger im Ausland statt: 36 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe verlagerten Entwicklungsarbeit, in der Autobranche waren es sogar 65 Prozent. Die Zahlen steigen: „In naher Zukunft setzen noch mehr Unternehmen auf Verlagerung“, sagte Ott. Dies sei ein „Armutszeugnis“ für die Unternehmer, die Folgen für die Beschäftigten seien gravierend: „Wir haben Betriebsschließungen, wir haben betriebsbedingte Kündigungen, es herrscht hohe Unsicherheit und viel Angst.“ Statt Innovationskraft herrsche Ideenlosigkeit, statt Investitionen gebe es Mutlosigkeit. „Die Entscheider wirtschaften den Standort Bayern herunter“, sagte Ott. In Bayern stehen Audi, BMW und MAN Truck & Bus für 136.000 Beschäftigte. Mit den Zulieferbetrieben komme man auf das Dreifache an Beschäftigten. Wo liegen Lösungen?
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