Wanderprediger Hans Lyer: mit Kapellenwagen unterwegs
Autor: Fränkischer Tag
, Sonntag, 13. Sept. 2026
Zurück in den Ursprung der Kirche für die Zukunft: So wie Jesus von Nazareth einst umherzog und den Menschen die frohe Botschaft verkündete, so macht sich Hans Lyer seit einiger Zeit in der Bamberger Region auf den Weg. Als „Wanderprediger“, der mit seinem Kirchenprojekt „Laudato Sí“ Gläubige und Zweifler, Fromme und Skeptische gleichermaßen erreicht. Seine Gottesdienste unter freiem Himmel, in Schafställen, Höhlen locken jeweils über hundert Mitfeiernde an. „Wir brauchen keine goldenen Kathedralen, Brot und Wein und Glauben reichen“, sagt er. Denn „der Geist Gottes hält auf dem Weg und hält lebendig.“
Gemeinsam in Lichtenfels
Die Sehnsucht des Menschen, am Ziel anzukommen, die Bibel und das Gebet, das Staunen über Gottes Schöpfung seien der Proviant auf der Tour, sagt der langjährige Gefängnisseelsorger der JVA Ebrach und ehemalige Pfarrer der Gottesdienstgemeinde St. Elisabeth in Bamberg.
In Paul Hain und Heribert Träger hat er Mitstreiter gefunden. Die beiden Männer sind seit der Lichtenfelser Kaplanszeit von Lyer in den 1980er Jahren eng mit ihm befreundet.
Paul Hain stellt seinen Schäferkarren (alter Bauwagen) als „Kapellenwagen“ für die Laudato Sí-Gottesdienste zur Verfügung, Heribert Träger seinen Bulldog, mit dem das funktional eingerichtete Objekt gezogen werden kann. Eine Plane, die außen eingehängt wird, bietet Schutz vor Sonne und Regen. „Das Zelt Gottes unter den Menschen“, nennt Hans Lyer diesen Baldachin, unter dem ein Tisch mit Kreuz und Kerzen den Altar bildet.
Für Lyer ist das Ganze ein Experiment: „Nicht jeder Priester soll mit einem Bauwagen durch das Land ziehen.“ Start war am Sonntag in Tiefenpölz beim „Fränkischen Stonehenge“, der Nachbildung des englischen Steinkreises. Neben den tonnenschweren Dolomitsteinen, die der Bauunternehmer Alexander Lämmlein am Ortsrand von Tiefenpölz aufstellen ließ, befindet sich ein großes Kruzifix: „Eine Verbindung von christlicher und mystischer Symbolik wird sichtbar“, erklärt Hans Lyer. Bei diesem Gottesdienst erhielt der Kapellenwagen auch seinen Segen. Den Schutz des heiligen Christophorus brauchte er freilich schon vorher: Es musste von seinem Standort Wolfsdorf bei Vierzehnheiligen nach Tiefenpölz gebracht werden. Das Zugfahrzeug, der Bulldog, bringt eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Stundenkilometern auf den Tacho. Für die etwa 45 Kilometer-Strecke waren drei Stunden auf Flurbereinigungswegen angesetzt.