Schütteln für die Felsenbirnen
Autor: Fränkischer Tag
, Sonntag, 05. Juli 2026
Bei Kleinsendelbach ist eine Maschine für die Ernte im Einsatz
Auf den Feldern bei Kleinsendelbach rüttelt eine Maschine durch die Reihen. Sie schüttelt die Sträucher, dunkle Beeren fallen auf ein Förderband und landen in der Kiste. Robert Schmitt steuert den Traktor, sein Sohn Lukas steht hinten und tauscht die vollen Kisten. Was hier geerntet wird, kennen die meisten nur aus dem Vorgarten: die Felsenbirne. Dort steht sie als Zierstrauch. Dass ihre Früchte auf dem Teller landen können, weiß kaum jemand.
Genau das wollen Vater und Sohn ändern. Auf die Beere kamen sie über Umwege. „Wir haben uns mit Wildobst beschäftigt, mit Aronia und der Haskapbeere – und sind so auf die Felsenbirne gestoßen“, erzählt Lukas Schmitt. Bei der Recherche fanden sie einen Landschaftsgärtner im Münchner Raum. Der hatte in Kanada gearbeitet und dort die Frucht kennengelernt. Auf ein paar tausend Quadratmetern zog er verschiedene Sorten heran. Die Schmitts fuhren hin, probierten – und waren überzeugt. „Wir haben gedacht: Warum gibt es die eigentlich nicht bei uns? Die war einfach super lecker.“
Größere Kanadische
In Kanada gehört die Felsenbirne längst auf den Tisch. Dort macht man Marmelade daraus, Kuchen, getrocknete Früchte. Bei uns dagegen wächst sie als Schmuck im Garten – mit kleinen Früchten und als Bienenweide geschätzt. Die Schmitts setzen auf die kanadischen Sorten mit deutlich größeren Beeren. Der Geschmack? Süß, mit feinem Aroma. „Er erinnert an Heidelbeere, mit einer leichten Mandel- oder Kirschnote“, sagt Lukas Schmitt. Beim Zerbeißen der Kerne kommt eine feine Marzipannote hinzu.
Dass die Familie überhaupt nach neuen Kulturen sucht, hat einen Grund. Den Milchviehbetrieb haben die Schmitts aufgegeben. Bio-Rinder müssen auf die Weide – ein Freilaufstall mit Laufhof reicht nicht mehr. Diese Möglichkeit fehlt am Hof. Also stellten Vater und Sohn um: weg von der reinen Ackernutzung, hin zu Dauerkulturen. Erst kamen Aronia und Lavendel, nun die Felsenbirne. Ein weiterer Vorteil: Die robuste Pflanze kommt mit trockenen, warmen Sommern gut zurecht. Und die werden in Franken häufiger – wie gerade jetzt, wenn das Thermometer tagelang weit über 30 Grad klettert.
Die Schmitts gelten als Tüftler, die Neues wagen und ausprobieren. 2017 setzten sie die ersten Pflanzen, 2021 fuhren sie die erste Ernte ein. Die Jungpflanzen holten sie aus einer Baumschule in Polen, die kanadische Sorten vermehrt. Heute stehen 15 Hektar Felsenbirne auf den Feldern, im Herbst kommen fünf weitere dazu. Vier Sorten wachsen dort: Smokey, Thiessen, Martin, Northline. So zieht sich die Ernte über mehrere Wochen. Ganz ohne Rückschläge ging es nicht. Ein Tipp aus dem Netz versprach, Rehe mieden die Pflanze wegen ihrer Bitterstoffe. Die Schmitts ließen einen Hektar ohne Zaun – eine teure Lektion. Die Tiere fraßen ihn bis auf den letzten Trieb leer. Seitdem wird eingezäunt, zumindest in den ersten Jahren.
Geduld bei Ernte gefragt
Die Ernte beginnt Mitte Juni und dauert vier bis sechs Wochen. Geduld gehört dazu: Bis zum vollen Ertrag vergehen Jahre. Aktuell bringt die Ernte nach der Sortierung 500 bis 800 Kilogramm je Hektar. Sind die Sträucher in rund vier Jahren ausgewachsen, sollen es vier bis fünf Tonnen werden – und das über rund zwei Jahrzehnte hinweg.
Daheim am Hof trennt eine Sortieranlage die Beeren nach Größe. Über Förderbänder mit Zwölf- und 14-Millimeter-Löchern fallen sie in drei Klassen: Kleine Früchte werden zu Saft, mittlere zu Marmelade, die größten kommen frisch in 125-Gramm-Schalen. Den Saft presst ein externer Betrieb. Marmelade und Fruchtaufstriche stellt Lukas Schmitt selbst her. Noch wird probiert, gerührt und am Rezept gefeilt, bis der Geschmack sitzt. Künftig sollen die Aufstriche in einer eigenen Küche entstehen, die am Hof gerade eingerichtet wird.