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Samantha Fish rockt im E-Werk


Autor: Fränkischer Tag

, Mittwoch, 01. Juli 2026

Samantha Fish trat in Erlangen auf.Bernd Sonntag


Man soll immer über den eigenen Tellerrand hinausschauen, sagte Samantha Fish einst über ihr Album „Belle of the West“. Am Sonntag hatten die Besucher im E-Werk die beste Gelegenheit, das zu tun. Denn die Grammy-nominierte Sängerin und Ausnahmegitarristin gab sich ausgerechnet in der Indie-Hochburg Erlangen die Ehre. Und dies mit einer Mischung aus ganz viel Rock und Blues, die vor Energie nur so strotzte.

Wie sie selbst auch. Mit Ron Johnson am Bass, Jamie Douglass am Schlagzeug und Mickey Finn am Keyboard halfen drei herausragende Musiker kräftig mit. Sie unterstützten Fishs virtuoses Gitarrenspiel geradezu perfekt und brachten den eh schon warmen Saal so richtig zum Kochen. Fish selber wechselte dabei öfter die Gitarren. Am auffallendsten war die Blues-Gitarre schlechthin, die Zigarettenkisten-Gitarre, die „Gitarre des kleinen Mannes“, der nicht genug Geld in der Tasche hatte, um sich eine eigene zu kaufen. Entsprechend roh klang ihr Sound und zeigte damit auch, wie verwurzelt die Musikerin aus Kansas City im Blues ist.

Ein Freund großer Worte ist Samantha Fish nicht, das beschränkte sich auf sehr kurze Ansagen und der Dank an das Publikum, die trotz des heißen Tages den Weg zum Konzert gefunden hatten. Dafür ließ sie umso lieber die Musik und ihre Stimme für sich sprechen.

Nach dem Auftakt mit dem MC5-Cover „Kick out the Jams“ präsentierte sie mit „Paperdoll“ den Titelsong ihres neuesten Albums. Mit vier Songs daraus war der 2025 erschienene Longplayer der Schwerpunkt der 13 Songs langen Setlist, die ansonsten einen guten Überblick über ihr musikalisches Schaffen bot. Unter anderem auch mit dem 1963 entstandenen Soul-Klassiker „Hello Stranger“ von Barbara Lewis, den sie in einer eigenen Version 2017 veröffentlichte und der einer der ruhigeren Momente des Konzertes war. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie zeitlos Musik ist und wie Samantha Fish verschiedene Einflüsse, wie Blues, Soul, Rock, Funk und Bluegrass zu einem ganz eigenen Sound vermischt.

Der Musikerin eilt ein schon fast legendärer Ruf voraus, eine der bedeutendsten Rock- und Blues-Gitarristinnen unserer Zeit zu sein, die das Publikum mitzunehmen versteht. Diesem Ruf wurde sie mehr als gerecht. Und so war das Publikum auch sofort dabei, als sie alle zum Mitsingen aufforderte.

Mancher Besucher wunderte sich, wieso das Konzert unter der Rubrik Country angekündigt wurde. Wahrlich keine allzu glückliche Ankündigung – auch, wenn in Samantha Fishs Musik Country-Anklänge zu finden sind. Denn der Abend war eigentlich ein Paradebeispiel, wie wuchtige Rockmusik und das Rohe des Blues ein Publikum mittleren Alters vom ersten bis zum letzten Akkord fesseln können. Selbst wenn man nicht unbedingt ein Fan des Blues ist.

Kritikpunkt könnte sein, dass das Konzert ohne Vorband stattfand und noch ein paar Songs länger hätte sein können. Aber dafür hatte ein Besucher eine gute Antwort parat: „Kurz ist halt alles, wenn’s schee is“. Und damit hat er zweifellos recht. Denn „schee“ war‘s wirklich.