Druckartikel: Leserbrief: Gegen die Bürger gestimmt

Leserbrief: Gegen die Bürger gestimmt


Autor: Fränkischer Tag

, Dienstag, 14. Juli 2026


Zum Artikel „400 Seiten standen zur Abstimmung“ im FT vom 3. Juli:

Die jüngsten Entscheidungen in Mühlhausen werfen grundlegende Fragen auf: Wie lässt sich erklären, dass der Gemeinderat mit einer 9:2- Mehrheit für den Flächennutzungsplan des Lekkerland-Logistikzentrums gestimmt hat und das gegen den ausdrücklichen Rat des Landratsamtes ERH und des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg?

Hier wurde gegen wesentliche Interessen der eigenen Bürger gestimmt. Die Faktenlage ist besorgniserregend. Seit zehn Jahren schafft es die Gemeinde nicht, prüffähige Unterlagen zur Erweiterung des Trinkwasserschutzgebietes vorzulegen, obwohl sie schon seit 2016 dazu verpflichtet wäre. Stattdessen wird nun das Wasser so knapp, dass kein neues Wohngebiet mehr erschlossen werden kann.

Die Zeche für das Logistikzentrum zahlen die Bürger: Eine teure Verbundleitung von Höchstadt nach Mühlhausen ist geplant, doch über die Kosten, die auf die Bevölkerung zukommen, wurde im Vorfeld nicht aktiv aufgeklärt. Alternativen wie eigene Brunnenbohrungen wurden anscheinend nicht ernsthaft in Betracht gezogen.

Es wird noch brisanter: Die Altdeponie Schirnsdorf birgt Altlasten, der Gefahrenverdacht auf Schadstoffe im Grundwasser hat sich laut Gutachten erhärtet. Für 2026 und 2027 sind zwei jährliche Messungen vorgeschrieben. Bei der Abstimmung lagen jedoch keinerlei Ergebnisse vor. Dennoch hoben neun Gemeinderäte die Hand.

Dazu passt das Verwirrspiel um die Verkehrsbelastung in der Sitzung: Erst behauptete der Erste Bürgermeister, bei den prognostizierten 1474 Fahrzeugbewegungen pro Tag seien die Fahrzeuge des später geplanten gemeindeeigenen Gewerbegebietes bereits enthalten. Erst nach einer heftigen Diskussion mit den Bürgern musste er diesen Fehler korrigieren: Diese enorme Verkehrsbelastung entsteht einzig und allein durch das Logistikzentrum.

Den vorläufigen Schlussstrich unter die Bürgerbeteiligung zog der Gemeinderat in der Sitzung am 16.06.2026, als eine offizielle Bürgerversammlung zu Lekkerland mehrheitlich abgelehnt wurde. Eine Haltung, die sich auch in der Sprechstunde des Bürgermeisters fortsetzte.

Doch 97 Bürger interessierte dieser Beschluss herzlich wenig. Sie widersetzten sich der Blockadehaltung und fordern mit ihrer Unterschrift, eine Bürgerversammlung bis Ende September durchzuführen. Die Gemeinderäte sind dem Gemeinwohl verpflichtet: Trinkwasser schützen, eigene Brunnen sichern und ausbauen, Schadstoffe fernhalten.

Erna und Jörg Andrzejewski, Schirnsdorf