Klangvolle Passion über Goldgier und Leid
Autor: Fränkischer Tag
, Dienstag, 30. Juni 2026
Die Gräfenberger Dreieinigkeitskirche war trotz Fußball-WM und hoher Temperaturen gut gefüllt, als unter der Stabführung des Komponisten Wolfgang Junga (67) erstmals das Oratorium „Der Tanz ums Goldene Kalb“ erklang.
Der Stöckacher Leiter mehrerer Chöre in der Region hatte das Libretto beim Neusleser Autor Manfred Schwab (88) bestellt und eine originelle, vielschichtige Libretto-Vorlage erhalten. Damit fütterte Junga ein kleines, aber feines dreißigköpfiges Musikensemble.
Das Städtchen Gräfenberg ist wohl nur Eingeweihten als bemerkenswerter literarischer Ort bekannt: Als Geburtsort des Ritter-Dichters Wirnt von Gräfenberg (eines Zeitgenossen von Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach), von dem der Artusroman „Wigalois“ in zahlreichen Abschriften überliefert ist.
Das unter anderem durch die „Leader-Aktionsgruppe „Kulturerlebnis Fränkische Schweiz“ geförderte Konzert begann mit einem furiosen musikalischen Vorspiel, das die kosmische Schöpfungsgeschichte vom Urknall bis zum Auftreten des Menschen in einer Art Zeitraffer intonierte, bevor der Chor mit dem Bibeltext des Alten Testaments einsetzte.
Zwischen die Geschichte von Mose, der die Tafeln mit den zehn Geboten vom Berg Sinai holt und bei seiner Rückkehr das Volk der Israeliten um das goldene Götzenbild tanzen sieht, wird in fünf „Leviten“ die Goldgier beispielhaft durch die Jahrhunderte verfolgt.
Das gab dem Komponisten Gelegenheit für eine nuancenreiche musikalische Ausleuchtung. Von der lyrischen Goldgräber-Stimmung, gesteigert zum dramatischen Raubmord, über die elegischen Trauergesänge um den Genozid der spanischen Konquistadoren an den Indios in Südamerika bis zu den sehr aktuellen Kriegen um das Erdöl, das „Schwarze Gold“, fehlte es nicht an musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten für Instrumentalisten und Sänger. Burleske und psychedelische Klänge in den Leviten um „Goldmacher“ und „Goldhamster“ lockerten dazwischen auf.
Zwei sich perfekt ergänzende Gruppen nutzten die Klangvielfalt gekonnt: Das sechsköpfige Flöten-Ensemble „Flauti vivendi“ (Daniele Burmann, Nicole Knorr, Susanna Dörfler, Eve Lindörfer, Ulli Zimmermann, Uta Leitl) mit seinen kleinen bis sehr großen und tiefen Instrumenten auf der einen und das „Streichertrio Frankonese“ (Rega Hanika, Karin Hahn, Sonja Samberger) auf der anderen Seite begleiteten den Gesang von Chor und Solostimmen.