„Hitzeberufe“ am Limit
Autor: Fränkischer Tag
, Mittwoch, 01. Juli 2026
Wie Menschen am Obermain unter Extremtemperaturen für uns arbeiten.
Ob Straßenbauer, Dachdecker oder Gastronom: Hohe Temperaturen gehören für sie zum Berufsalltag, doch die derzeitige Hitzewelle belastet auch sie extrem. Was sie dagegen tun können und wo die Grenzen sind.
27 Grad auf dem Thermometer, die Luft ist voller Staub, die Maschinen lärmen: Bereits um acht Uhr morgens fühlt sich die Baustelle an der B 173 rund um den Nassanger bei Trieb wie eine unfreiwillige Sauna an. Die Mitarbeiter der Essmeyer Baulogistik GmbH und Essmeyer Tiefbau GmbH sind dennoch guter Laune und arbeiten daran, den Fels, der dort ausgebrochen wird, zu Schotter aufzubereiten. Die neue Straße wird an dieser Stelle tief ins Gelände eingeschnitten. Seit sechs Uhr ist die Baustelle voller Menschen, doch die ersten starteten bereits um 5 Uhr morgens – wegen der hohen Temperaturen, die im Laufe des Tages stetig steigen. In den Baumaschinen, wie den Baggern, sind seit Jahren Klimaanlagen ein fester Bestandteil. „Aber, wenn man dann rausgeht, dann läuft man gegen eine Wand, aus Hitze“, so Andreas Dorsch. Er arbeitet seit rund 25 Jahren in der Branche, aber solche Temperaturen habe er selten erlebt.
Und dann gibt es ja noch die Arbeit „draußen“. „An der Front hier ist es die Hölle“, weiß „Chef“ Claus Essmeyer. Vor kurzem sei etwa die Brecheranlage so heiß gewesen, dass man die Leiter nicht mehr hinaufsteigen konnte. Er hat seinem Team daher nahegelegt, die Arbeitszeiten nach Absprache flexibler zu gestalten. „Das geht aber nur dann, wenn zum Beispiel kein direkter Nachbar in der Nähe ist, der sich dann über den frühen Baulärm beschwert.“
Chef: Ich ziehe den Hut
Des Weiteren habe jeder Mitarbeiter ein „Sommerset“ erhalten. Darin befinden sich Sonnencreme, Sonnenbrillen und vieles mehr als Hitzeschutz. Viel Trinken sei zudem unerlässlich. „Ich ziehe den Hut vor meinem Team!“, würdigt Claus Essmeyer. Doch er betont auch: „So belastend das jetzt auch ist: Der Winter mit viel Regenfällen und Schnee hält unsere Arbeiten meistens mehr auf.“
Material erhitzt sich
Ähnlich geht es auch Denis Kreßner aus Lichtenfels. Seine Dachdeckerei samt sechs Mitarbeitenden ist ebenfalls stark von der Hitze geplagt. Zwar beginnen die Mitarbeitenden derzeit auch früh am Tag, „aber, wenn es gar nicht mehr geht, dann hören wir auch um 12 Uhr Mittag auf.“
Kein Wunder: Sie arbeiten nicht nur oft in der prallen Sonne, sondern haben auch mit der Erhitzung des Materials zu kämpfen: „Teilweise haben wir schon Schieferplatten ins Wasser gelegt. Auf dunklen Oberflächen könnte man außerdem Spiegeleier braten. Das sind teilweise über 90 Grad“, berichtet Denis Kreßner. Doppelte Vorsicht sei daher unerlässlich – und das gemeinsam. „Jede halbe Stunde gehen wir vom Dach und trinken, so erinnern wir uns gegenseitig daran.“ Feuchte Handtücher im Nacken sorgen ebenfalls für kurzzeitige Abkühlung.
Doch wenn solche Hitzewellen in den kommenden Jahren anhalten sollten, dann wird sich das vermutlich irgendwann preislich widerspiegeln, vermutet der Geschäftsführer. „Oder man wird umstrukturieren müssen, wie in südlichen Ländern, und nach einer Mittagspause dann abends wieder Stunden reinarbeiten. Die Frage ist aber, ob das gewünscht ist, gerade, wenn es Lärm macht.“