Hat Microsoft sich mit Windows 11 verkalkuliert?
Autor: Fränkischer Tag
, Dienstag, 30. Juni 2026
Es ist noch gar nicht so lange her. Im Oktober 2025 war an dieser Stelle das Ende von Windows 10 Thema – und die Möglichkeit, über das sogenannte ESU-Programm gegen Bezahlung (oder unter bestimmten Voraussetzungen sogar kostenlos) die Update-Unterstützung doch noch zu verlängern. Damals schien die Richtung klar zu sein: Microsoft wollte die Nutzerinnen und Nutzer weiterhin möglichst schnell zu Windows 11 bewegen. Nun folgt aber die nächste Überraschung. Das Unternehmen hat angekündigt, die Sicherheitsupdates für Privatnutzer zum zweiten Mal um ein weiteres Jahr zu verlängern – nun bis Oktober 2027. Das wirkt wie ein planloses Hin und Her. Aber konnte Microsoft überhaupt anders handeln?
Wer sich die aktuellen Zahlen ansieht, versteht schnell, weshalb der Konzern in Sachen Windows 10 und dem „Ende des Supports“ erneut zurückrudert. Nach Angaben des Statistikdienstes Statcounter liefen im Mai 2026 zwar bereits knapp 72 Prozent aller Windows-PCs mit Windows 11. Gleichzeitig nutzen aber immer noch gut 26 Prozent Windows 10. Anders ausgedrückt: Jeder vierte Windows-Rechner arbeitet weiterhin mit einem Betriebssystem, dessen Unterstützung eigentlich längst beendet sein sollte. Das ist bemerkenswert. Schließlich gibt es Windows 11 nun bereits rund fünf Jahre. Und da hätte Microsoft sicherlich gerne gesehen, dass Windows 10 nur noch eine Randerscheinung ist. Stattdessen bleibt das alte Betriebssystem erstaunlich präsent.
War der Wechsel wirklich schon nötig?
Der Hauptgrund dafür dürfte bekannt sein: die vergleichsweise hohen Hardware-Anforderungen von Windows 11. Millionen Computer funktionieren technisch nach wie vor einwandfrei, erfüllen aber einzelne Voraussetzungen wie den TPM-2.0-Chip oder einen unterstützten Prozessor nicht. Für viele Menschen ist das nur schwer nachvollziehbar. Der Rechner startet in wenigen Sekunden, Programme laufen flüssig, im Internet surfen funktioniert problemlos – warum also einen neuen Computer kaufen?
Genau diese Frage haben sich vermutlich viele Nutzerinnen und Nutzer gestellt. Offenbar mehr, als Microsoft erwartet hatte. Als ich im vergangenen Jahr über das Supportende schrieb, lautete mein Rat dennoch, möglichst frühzeitig auf Windows 11 umzusteigen. Aus technischer Sicht halte ich diese Empfehlung auch heute noch für richtig. Wer ohnehin einen neuen Computer anschaffen wollte oder bereits ein kompatibles Gerät sein Eigen nannte, hat durch den Umstieg mehr Sicherheit, kann langfristig planen und muss sich über Fristen keine Gedanken mehr machen.
Trotzdem hinterlässt die neuerliche Verlängerung einen schalen Beigeschmack. Denn manche Leser werden sich nun fragen, ob der Wechsel überhaupt schon notwendig gewesen wäre. Wer sich vielleicht erst vor wenigen Monaten einen neuen PC gekauft hat, weil er davon ausging, dass Windows 10 endgültig keine Updates mehr erhält, dürfte sich heute zumindest kurz die Frage stellen, ob er nicht auch noch ein oder zwei Jahre hätte warten können.
Keine neuen Funktionen mehr für Windows 10
Und genau darin liegt ein Problem, das Microsoft selbst geschaffen hat. Wenn ein Hersteller einen festen Termin für das Supportende nennt, dann sollte dieser auch ernst genommen werden. Wenn dieser aber dann seine eigene Strategie mehrfach verändert, gerät jede Beratung – ob in Fachmagazinen oder hier in meinen Beiträgen – ins Wanken. Aus einer klaren Entscheidung wird plötzlich eine Grauzone. War der frühe Umstieg richtig? Hätte man noch warten können? Und wie genau sind eigentlich zukünftige Ankündigungen?
Was aber wichtig zu wissen ist: Microsoft verlängert nicht die reguläre Unterstützung für Windows 10. Es geht ausschließlich um Sicherheitsupdates im Rahmen des ESU-Programms. Neue Funktionen gibt es weiterhin nicht. Außerdem bleiben die bisherigen Bedingungen bestehen. Wer die Updates kostenlos erhalten möchte, muss sich mit einem Microsoft-Konto anmelden.