„Beim frühen Morgenlicht erwacht mein Herz und spricht“, wenn diese Liedzeilen vom Vorbeter ausgerufen und dann von rund 100 Wallfahrern um zwei Uhr früh vor der Kirche aus voller Inbrunst gesungen und von der Litzendorfer Blaskapelle musikalisch begleitet werden, dann beginnt die 1747 gelobte Wallfahrt zum heiligen Salvator ins 26 Kilometer entfernte Hollfeld . Immer am Donnerstag vor Pfingsten machen sie sich um diese Zeit auf den Weg.

Die Wallfahrt zieht durch Lohndorf, Tiefenellern, Laibarös, Voitmannsdorf und Drosendorf, zum Heiligen in seiner neben dem Hollfelder Friedhof gelegenen Kirche . In den einzelnen Dörfern, in denen mitten in der Nacht während des Durchzugs der Wallfahrt die Glocken geläutet werden, reihen sich die Gläubigen jeweils ein und manche nehmen dafür extra einen Tag Urlaub. Durch die Dörfer spielen die Litzendorfer Musikanten die Lieder mit und lassen sich oder ihre Instrumente dann in einem Auto vorausfahren bis zum nächsten Dorf.

Beim Zug in den erwachenden Tag mischen sich so nach und nach auch die Vögel mit ihrem Gesang in das Beten und Singen der Wallfahrer. Diese erleben dann auch auf der Jurahöhe den Sonnenaufgang mit, alles zusammen für viele ein erhebendes Gefühl für Geist und Seele.

Am Kreuz zwischen den zwei mächtigen Linden vor Hollfeld sammeln sich dann alle und ziehen in die Stadt ein, wo normalerweise dann um neun Uhr das feierliche Wallfahreramt in St. Salvator zelebriert wurde. Da 1747 in Litzendorf nicht die Pest, sondern ein großer „Viehfall“ herrschte und alles Vieh (Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder) dahinraffte, gelobten sie diese Wallfahrt und hielten ihr Versprechen bis jetzt. Man glaubt heute, dass die schreckliche Maul- und Klauenseuche (MHS) wütete. Die Kühe waren damals ja nicht nur Lieferanten für die Milch und das Fleisch, sondern als Zugtiere auch für die Feldarbeit unersetzlich, die Seuche also eine wirkliche Gefahr für Leib und Leben. Deshalb ist auch am Salvator-Gnadenbild auf der linken Innenseite der Kirche der heilige Salvator (Erlöser, Heiland) mit dem Kreuz auf der Schulter und einer Kuh am Seil dargestellt, da damals angeblich das letzte lebende Tier der Gemeinde mit nach Hollfeld geführt wurde.

Geschenkkorb für Pfarrer Simon

Nachdem die Wallfahrt letztes Jahr wegen Corona komplett ausfallen musste, fand sie nun in sehr kleinen Grüppchen statt. Der diesjährige Jubiläumsgottesdienst wurde wegen der Corona-Bestimmungen in der größeren Hollfelder Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gehalten, die 100 Besuchern Platz bot. Ihn zelebrierte Stadtpfarrer Bernhard Simon zusammen mit dem Litzendorfer Pfarrer Marianus Schramm.

Wallfahrtsführer Oskar Deglmann ehrte am Ende des Gottesdienstes für 65-jährige Teilnahme Gerhard Pickel aus Melkendorf sowie die Litzendorfer Karin Neundorfer und Georg Schlaug für 50-jährige. Einen Geschenkkorb überreichte er als Dank an Pfarrer Simon, der viele Jahre die Wallfahrer betreute und heuer in den Ruhestand wechselt. Deglmann beendete seine Dankesrede mit den Worten: „Ich freue mich, dass diese Jahr trotz Corona über 90 Gläubige zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto an der Jubiläumswallfahrt teilnahmen.“

Gruß- und Dankesworte sprachen auch Hollfelds Bürgermeister Hartmut Stern (BüFO) und der Litzendorfer Bürgermeister Wolfgang Möhrlein ( CSU ). Dieser fügte an: „Im Auszug aus dem Pfründebuch der Pfarrei von 1786 steht, dass dem Pfarrer für die Begleitung der Wallfahrt zu zahlen sei: zwei fränkische Gulden, 42 Kreuzer, freie Zehrung unterwegs und außerdem die Stellung eines Fuhrwerks für die Begleitung der Wallfahrt zur Disposition. Der Schullehrer bekam einen Gulden, 20 Kreuzer und freie Zehrung. Das zeigt, dass die Wallfahrt damals von der Gemeinde gelobt wurde, während heute diese rein kirchlich geschieht.“ Die Gläubigen konnten sich ein Schmunzeln bei dieser Schilderung nicht verkneifen.

Gestärkter Blick in die Zukunft

Die Wallfahrer machten sich nach der Nachmittags-Andacht und dem feierlichen Segen in der Salvatorkirche, die über Lautsprecher auch nach außen übertragen wurden, wieder betend und singend auf den Heimweg, froh und zuversichtlich für die Zukunft, besonders was Corona betrifft.

Der Heimweg war immer der schwere Teil der Wallfahrt , denn oft stach die Sonne brennend heiß von oben herab und der schwarze Asphalt erhitzte von unten. Da kamen kleine Abwechslungen gerade recht, denn die Kinder in den Dörfern standen am Straßenrand. Eigentlich sollten sie von den Eltern aus mitbeten und mitsingen, aber sie schauten oft lieber zu oder winkten. Sie erhielten nämlich von den Litzendorfern Bonbons und Süßigkeiten zugeworfen, die sie für die Kleinen in Hollfeld eingekauft hatten.

In Tiefenellern beim Hönig wurde dann Rast eingelegt.