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Frei beerbt Spahn


Autor: Fränkischer Tag

, Mittwoch, 22. Juli 2026

Jetzt wird ein Nachfolger für den Kanzleramtschef gesucht


Kanzleramtsminister Thorsten Frei soll neuer Fraktionschef von CDU und CSU im Bundestag werden. Die beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, nominierten den 52-Jährigen. Er folgt auf Jens Spahn, der wegen der Leihmutter-Affäre zurücktreten musste. „Thorsten Frei kommt aus der Mitte der Fraktion und wird dort für das perfekte Zusammenspiel zwischen Parlament, Koalitionspartner und Bundesregierung sorgen“, sagte Merz nach einer Sitzung des Fraktionsvorstandes.

Der Bundeskanzler ließ aber offen, wen er an die Stelle seines bisherigen Kanzleramtschefs zum Manager der Regierungszentrale berufen will. In Berlin hielten deshalb die Spekulationen der vergangenen Tage seit dem unfreiwilligen Rücktritt Spahns an. Als wahrscheinlichste Personalrochade sahen einflussreiche Politiker von CDU und CSU im Austausch mit unserer Redaktion den Wechsel von Gesundheitsministerin Nina Warken ins Kanzleramt.

Ein Posten für Linnemann?

Die CDU-Frau hat mit der Erarbeitung der umkämpften Gesundheitsreform viel Respekt in der Koalition erworben. Warken wiederum würde durch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ersetzt. Dieser war bei der Besetzung der Ministerposten im vergangenen Jahr leer ausgegangen, weil sein angestrebtes Ressort Arbeit und Soziales in die Hände der SPD fiel. Linnemann hat sich in den vergangenen Jahren tief in Sozialstaatsthemen eingearbeitet. Käme es zu dieser Besetzung, hätte der 48-Jährige im Herbst mit der Pflegereform ein dickes Brett zu bohren.

Auf Linnemann könnte den Gerüchten gemäß Johannes Winkel als Generalsekretär folgen, seines Zeichens Vorsitzender der Jungen Union. Winkel hatte den Kampf der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU gegen die Rentenpolitik angeführt (Rentenrebellen) und dafür beinahe ein frühes Platzen der Koalition riskiert. Der Abgeordnete, der seinen Wahlkreis in Düsseldorf hat, vertritt einen wirtschaftsliberalen Kurs. Der Wirtschaftsflügel seiner Partei ist tief enttäuscht von den bisherigen Ergebnissen, die Friedrich Merz erreicht hat.

Zwischen Lob und Kritik

Thorsten Frei stammt aus dem südlichen Schwarzwald und war vor seinem Einzug in den Bundestag Bürgermeister von Donaueschingen. Er hatte sich in der zurückliegenden Wahlperiode in seiner Fraktion als Parlamentarischer Geschäftsführer einen guten Ruf als Politmanager erarbeitet. Für seine Arbeit als Kanzleramtsminister hingegen musste er manche Kritik einstecken. Ihm wurde die verunglückte Entlastungsprämie von 1000 Euro zur Last gelegt, die die Koalition im Frühjahr beschlossen hatte und die nach einem Aufschrei in der Wirtschaft beerdigt wurde. Merz dankte ihm dennoch für seinen Beitrag zum Gelingen der Reformpolitik, die zuletzt an Dynamik gewonnen hatte: „Die Reformerfolge der letzten Wochen sind auch sein Verdienst.“

Bevor er seinen neuen Posten antreten kann, muss Frei von allen Unionsabgeordneten bestätigt werden. Die Abstimmung ist für den 29. Juli angesetzt, wenn die Fraktion zu einer Sondersitzung in Berlin zusammenfindet. Ein Teil der Parlamentarier wird dafür den Urlaub unterbrechen. Seiten 2, 15