Französischer Rüstungs-Egoismus
Autor: Fränkischer Tag
, Montag, 06. Juli 2026
Wenn in Europa mehr Länder nach rechts außen abdriften, muss Deutschland stärker auf die eigene Verteidigungsindustrie setzen. In Süddeutschland entsteht ein Defence-Valley.
Die europäischen Rüstungsunternehmen müssen enger zusammenarbeiten. Mit Fusionen lassen sich in der zersplitterten Branche leistungsfähigere Einheiten schaffen, sodass Verteidigungsgüter schneller in höherer Stückzahl und damit kostengünstiger hergestellt werden können. Entsprechende Appelle fruchten kaum.
Als ob es Trump und Putin nicht gäbe, dominiert nationaler Egoismus. Unternehmen wie der französische Kampfflugzeugbauer Dassault agieren autistisch. Das Scheitern des deutsch-französischen Luftverteidigungsprogramms FCAS kann man vor allem an einem Namen festmachen: Dassault-Chef Éric Trappier beanspruchte gegenüber Deutschland rücksichtslos die Führungsrolle, was die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs betrifft. Der Manager war nicht von Staatspräsident Emmanuel Macron bei seiner Solo-Nummer zu bremsen.
Gilt bald die Devise
„Frankreich zuerst“?
Trappier ließ seinen Landsmann abblitzen, schlicht, weil er ihn als „Lame Duck“, eben lahme Ente, ansieht und darauf spekuliert, dass die ultrarechte Partei Rassemblement National (RN) bei den Präsidentenwahlen im kommenden Jahr die Nase vorne hat und dann ohnehin die Devise gilt: Frankreich zuerst. Ob Marine Le Pen bei der Abstimmung für den RN auflaufen darf, entscheidet am Dienstag ein französisches Gericht.
Sonst tritt ihr politischer Ziehsohn Jordan Bardella an. Auf alle Fälle könnte das FCAS-Desaster nicht das einzige deutsch-französische Verteidigungsvorhaben sein, das auf der Strecke bleibt. So hält es Rheinmetall-Chef Armin Papperger für möglich, dass auch die Entwicklung eines gemeinsamen Panzers für beide Nationen als Nachfolger des deutschen Leopard und des französischen Leclerc ausgebremst werden könnte.
Frankreich sieht sich immer noch als „Grande Nation“ an und wirkt dabei kleingeistig. Die Rüstungsbranche ist für viele in unserem Nachbarland ein Heiligtum. Dabei können Franzosen und Deutsche, wenn sie zusammenarbeiten, Großartiges vollbringen, wie das Beispiel Airbus zeigt. Ein ähnlicher Erfolg wäre auch mit dem FCAS- und dem Panzerprojekt möglich. Es ist traurig, dass sich Europa immer wieder selbst ein Bein stellt – und das im Bewusstsein einer amerikanischen Kehrtwende, was die transatlantischen Beziehungen betrifft.