Forscher ermitteln in Eiszeitkrimi
Autor: Redaktion
Erlangen, Montag, 22. Juni 2026
Paläontologie Das Taimeringer Mammut wurde vermutlich zerlegt – von Jägern und Sammlern. Die Universität Erlangen-Nürnberg ist an der Forschung beteiligt. An den Rippen finden sich ungewöhnliche Strukturen.
Neues vom Wollhaarmammut aus Taimering: Das rund 25.000 Jahre alte Skelett eines Wollhaarmammuts, das 2020 im Landkreis Regensburg entdeckt wurde, liefert neue Einblicke in das Leben während der letzten Eiszeit. Ein interdisziplinäres Team, an dem auch Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ( FAU ) beteiligt waren, fand heraus, dass das Tier während des kältesten Abschnitts der Würmeiszeit starb und anschließend in einem eiszeitlichen Tümpel konserviert wurde.
Pollenanalysen und Altersdatierungen erlauben laut Pressemitteilung der FAU eine Rekonstruktion der damaligen Umweltbedingungen. Zudem sprechen Schnittspuren an mehreren Rippen dafür, dass Menschen der Altsteinzeit den Kadaver bearbeiteten. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler nun im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.
Bei Bauarbeiten in Taimering nahe Regensburg entdeckten Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) vor sechs Jahren einen fast 2,5 Meter langen, spiralig verdrehten Stoßzahn, der zu einem Wollhaarmammut – Mammuthus primigenius – gehörte. In der Nähe fanden die Archäologen außerdem über 70 weitere Knochen und Knochenbruchstücke, vor allem die des Brustkorbs sowie Hand- und Fußknochen. Die meisten Langknochen des großen Säugers fehlen.
„Stoßzahn und Knochen des Mammuts waren aufgrund ihrer jahrtausendelangen Konservierung im Feuchtbodenmilieu außergewöhnlich gut erhalten“, sagt Christoph Steinmann, stellvertretender Leiter des Referates Bodendenkmalpflege Niederbayern/Oberpfalz am BLfD. Nach seiner Bergung wurde der Fund an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) präpariert. Von dort wurden die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen koordiniert.
Vor mindestens 25.000 Jahren
Die paläontologische Begutachtung zeigte: Alle Knochen sowie der Stoßzahn gehören zu einem einzigen sehr großen, aber noch nicht ausgewachsenen Individuum mit etwa drei Metern Schulterhöhe. Das Taimeringer Wollhaarmammut kam vermutlich direkt an oder zumindest nahe seiner Fundstelle zu Tode. Die bis ins Detail unversehrt erhalten gebliebenen Knochenoberflächen lassen sowohl einen längeren Transport durch Wasser ausschließen als auch eine Zerlegung durch Raubtiere. Eingebettet wurde das Tier in den Sedimenten eines Tümpels oder langsam fließenden Zulaufs der eiszeitlichen Ur-Donau, so die Forscher. Altersdatierungen ergaben ein Alter der Knochen zwischen 27.000 und 25.000 Jahren vor heute.
Ungewöhnliche Strukturen auf der Oberfläche entpuppten sich als Schnittmarken und geben eindeutige Hinweise auf menschliche Aktivität. Ausschließlich auf den Rippen finden sich zahlreiche solcher Einkerbungen – verursacht von altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern, die das Tier zerlegten. Eine der Rippen wurde sogar als Schneidebrett verwendet.
Ob das Mammut von Menschen getötet wurde oder ob es bereits tot war, als diese den Kadaver verarbeiteten, bleibt laut Erstautorin Kerstin Pasda, Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg , die die osteoarchäologischen Untersuchungen zu den anthropogenen Einflüssen durchführte, unklar.