Zum 100. Jubiläum der Gründung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) als Dachverband gab die jetzige DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeld, Bundesministerin a.D., dem Fränkischen Tag ein Interview. Darin hebt sie besonders den ehren- und hauptamtlichen Einsatz des Wohlfahrts- und Sozialverbandes in der Corona-Krise hervor.

Das Deutsche Rote Kreuz ist eine der größten nichtstaatlichen Organisationen der Bundesrepublik. Welchen Stellenwert nehmen darin die mehr als 443 000 ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen ein?

Gerda Hasselfeldt : Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre das Rote Kreuz gar nicht denkbar. Das Ehrenamt spielte von der Gründung an eine zentrale Rolle, und das gute Zusammenspiel mit den Hauptamtlichen macht eine Stärke des Deutschen Roten Kreuzes aus. Das zeigt sich gerade auch jetzt während der Pandemie . Es ist ein beispielloses ehrenamtliches und hauptamtliches Engagement, das die Rotkreuzler in der Krise zeigen – in der Nachbarschaftshilfe, in den Pflegeeinrichtungen , im Rettungsdienst, in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit oder beim Aufbau und Betrieb der zahlreichen Teststationen und Impfzentren . Obwohl persönliche Begegnungen durch die Corona-Pandemie zum Teil unmöglich sind, ist ihr Engagement ungebrochen. Ehrenamtliches Engagement – ob beim Roten Kreuz oder anderswo – ist aber auch für das soziale Miteinander einer Gesellschaft unersetzlich.

Als eine Konsequenz aus der Pandemie haben Sie vorgeschlagen, die Ausbildung von Pflegehilfskräften aus der Bevölkerung zur Unterstützung von Pflegepersonal im Krisenfall wieder aufzunehmen. Welche Voraussetzungen sind nötig, um diesen Vorschlag in die Realität umsetzen zu können?

Die Idee ist, dass rund ein Prozent der Bevölkerung freiwillig einen Basiskurs absolviert, in dem neben Erste-Hilfe-Kenntnissen auch Grundkenntnisse der Pflege und der Körperhygiene vermittelt werden. So etwas gab es früher schon mal. Diese Pflegeunterstützungskräfte könnten dann in Notsituationen wie einer Pandemie zum Beispiel Fachkräften in Pflegeeinrichtungen zur Hand gehen oder auch pflegenden Familienangehörigen eine große Hilfe sein. Solche Ausbildungskurse können das DRK und andere anerkannte Hilfsorganisationen anbieten.

Wir bereiten gerade ein entsprechendes Konzept vor. Das Projekt müsste natürlich vom Bund finanziert werden. Deswegen freuen wir uns, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe diesen Vorschlag im Rahmen des Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetzes unterstützen will.

Das Gespräch führte

Marion Krüger-Hundrup.