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Deutsche WM-Blamage schockt Fans auf Bamberger Maxplatz


Autor: Fränkischer Tag

, Dienstag, 30. Juni 2026

Viele Fans verfolgten auf dem Maxplatz beim von Radio Bamberg organisierten Public Viewing das deutsche WM-Aus.Michael Gründel


Erst Tah in die Wolken, dann Neuer ins falsche Eck. Dann war die Messe gelesen. Am Dienstag um Schlag halb zwei in der Nacht, legte sich betretenes Schweigen über den Bamberger Maxplatz. Im Sechzehntelfinale der Fußballweltmeisterschaft hat sich Deutschland an der bislang nicht als Fußballgroßmacht gefürchteten Mannschaft von Paraguay die Zähne ausgebissen.

Nach regulärer Spielzeit, Verlängerung und Elfmeterschießen behielten die Südamerikaner mit 5:4 die Oberhand. Auf das deutsche Team wartet statt dem erhofften Showdown gegen Frankreich nur zerknirschte Krisenkommunikation und die von hämischen Schlagzeilen des Boulevards orchestrierte Reise nach Hause.

Auf dem Maxplatz suchten einige Hundert Menschen nach einer angemessene Haltung dazu. Knapp drei Stunden lang hatten sie die Partie bei dem von Radio Bamberg organisierten Public Viewing auf sich wirken lassen. Die meisten von ihnen entschieden sich nach dem letzten Elfmeter für den stillen Rückzug. Dienstag ist Werktag. Es rufen Schule, Ausbildung oder Erwerbsarbeit. „In bisschen mehr als zwei Stunden“, sagte Johann aus Nürnberg, müsse er sich schon wieder auf den Weg zur Lehrstelle machen.

Er hatte sich darauf eingestellt, die Nacht in Bamberg durchzufeiern. Jetzt wusste er nicht, wohin mit sich. Ratlos schaute er auf den sich rasch leerenden Maxplatz. Traurig und niedergeschlagen? Eher nicht. „Schade, aber schon okay so“, sagte er. Die Deutschen hätten es am Ende halt nicht verdient. Viel Ballbesitz, das schon, aber keine Idee davon, was sie mit dem Ball am Fuß anfangen sollten.

Von der unter Fans sonst so typischen übersteigerten Zuversicht war schon vor Abpfiff nicht viel zu spüren. Die bisher allenfalls durchschnittlichen Turnierleistungen schienen sie verunsichert zu haben. „Wird ein schwieriges Spiel heute“, sagte Annalena aus Bamberg. Zum Public Viewing hatte sie ihren Kumpel Andreas mitgebracht. Der ist Österreicher und hat in der Schweiz höherklassig Fußball gespielt. „Ich war bisschen ein Typ wie Deniz Undav“, sagte er. Kein Laufwunder vielleicht, aber gewusst, wo das Tor steht, das habe er.

Mit einem Bierbecher in der Hand stieß Andreas vor dem Anpfiff auf Bundestrainer Nagelmann und seinen Akt der heroischen Selbstüberwindung an. Den per Rollengespräch zum Joker degradierten Deniz Undav hatte Nagelsmann pünktlich zur K.O.-Runde in die Startelf beordert. Gebracht, so ehrlich muss man sein, hat der ganze Psychostress: rein gar nichts. Undav machte gegen die robust verteidigenden Paraguayer kaum einen Stich. Trotzdem war er von späten „Neuer, Neuer“-Rufen einmal abgesehen, der einzige deutsche Spieler, den die Fans auf dem Maxplatz mit gelegentlichen Anfeuerungsgesängen bedachten.

War das nicht mal anders? Hätte eine vergleichbare Niederlage nicht noch vor ein paar Jahren Jahren das zusammengewürfelte Kollektiv eines Public-Viewing-Abends in einen Abgrund der Verzweiflung geschickt? Zwar mag sein, dass auch die späte Anstoßzeit und die damit frühzeitig einsetzende Müdigkeit ihren Teil dazu beitrug. Aber bemerkenswert war die von Beginn an verhaltene Stimmung dann doch. Viele verfolgten das Spiel mit vor der Brust verschränkten Armen und zunehmend ratlosen Gesichtern. Emotionale Ausschläge blieben rar, im Guten wie im Schlechten. Nicht einmal über das in der Verlängerung aberkannte Tor von Jonathan Tah wollten sich die Fans groß aufregen.

Folgende Arbeitshypothese: Die deutsche Mannschaft machte ihren Fans die vorbehaltlose Identifikation in diesem Jahr schwerer als sonst: „War ein komisches Team“, sagten Paul und Lukas. Vor allem der Trainer habe sie genervt mit seiner täppischen Außendarstellung und dem „ganzen Getue um Undav, Neuer und Sané“.

Paul und Lukas improvisierten noch ein paar Witzchen über den bedauernswerten Tah und seinen kunstvoll in den Himmel gehobenen Elfmeter. Ihre beiden Omas, darin waren sie sich einig, hätten den Ball mit links ins Tor gedroschen. „Und die verdienen keine zig Millionen im Jahr“, sagte Lukas. Über Nagelsmann sprachen die beiden Freunde nur noch in der Vergangenheitsform. Jetzt hoffen sie auf Jürgen Klopp . „Vielleicht gibt es mit ihm ja wieder mal ein Sommermärchen“, sagte Paul.