Der Zweifel nimmt Platz am Tisch
Autor: Fränkischer Tag
, Freitag, 17. Juli 2026
Die Premiere im Theaterhof fordert das Publikum – und zeigt, warum Zweifel eine Stärke sein kann
Das Bühnenbild im Theaterhof vor dem Schauspiel Erlangen ist schlicht. Sechs Tische, jeweils zehn Plätze. Freie Platzwahl. Bald hat jeder aus dem Publikum seinen Platz gefunden, die Unruhe legt sich. Doch dann passiert – nichts. Einige blicken auf die Uhr, andere tuscheln. Hat das Stück nicht längst begonnen?
Dass die Schauspieler zunächst nicht als solche zu erkennen sind, ist kein Gag. Regisseurin Lea Schmocker macht den Zweifel vom ersten Moment an erfahrbar. Der Zweifel entsteht nicht erst mit dem ersten Dialog, sondern schon beim Betreten des Theaterhofs.
Anatomische Zerlegung
Schmocker nähert sich dem Zweifel aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – von Populismus über künstliche Intelligenz bis hin zu Religion und Verschwörungstheorien. Anatomisch genau zerlegt sie das menschliche Phänomen und untersucht es auf der Bühne. Vom Populismus bis zur Religion stellt die Inszenierung scheinbare Gewissheiten infrage. Was passiert mit Menschen, wenn sie zweifeln? Und ist Zweifel vielleicht sogar notwendig?
Bei „Im Zweifel für den Zweifel“ ist die Grenze zwischen Zuschauer und Schauspieler kaum vorhanden. Das Ensemble sitzt mit dem Publikum gemeinsam am Tisch. Dialoge passieren um einen herum. Die Bühne wechselt von Tischen zur Fläche vor das Publikum. Für das Publikum ist es kein Mitmach-, sondern ein Mitdenk-Stück.
Schnelle Wechsel