Café mit besonderem Konzept
Autor: Fränkischer Tag
, Dienstag, 30. Juni 2026
Ein neuer Ort der Begegnung entsteht in Bamberg: das Haincafé.
Manchmal fügt sich das Leben wie ein Puzzle. So scheint es zumindest im neuen Haincafé in Bamberg gewesen zu sein. Barbara Blecha, Leiterin des Caritas Pflegezentrums St. Otto, wollte ursprünglich nur anfragen, ob das neue Café im Hain die Torten der Villa Remeis beziehen könne. Doch nachdem bekannt geworden war, dass das traditionsreiche Kleinod auf dem Rothenberg wegen Sanierung schließen muss, brauchte es nur wenige Gespräche, bis feststand: Nicht nur die Backwaren ziehen um – das gesamte Team kommt mit.
„Unsere Sorge war lange: Was, wenn wir keine passende Alternative finden?“, erzählt Simone Stroppel, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), dem Betreiber des Café Villa Remeis. Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als sich eine Zusammenarbeit mit der Caritas abzeichnete. „Für beide Seiten war schnell klar: Das wollen wir gemeinsam umsetzen“, so Blecha.
Ab dem heutigen Mittwoch, 1. Juli, empfängt das Team der Villa Remeis seine Gäste in der Hainstraße 24 – inklusive hausgemachter Spezialitäten. Bei einer Generalprobe am Freitag, zu der auch Ehrengäste wie Erzbischof Herwig Gössl und Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp gekommen waren, ging die erste Remeis-Torte bereits über die Theke.
„Das Sortiment aus regionalem Anbau – von Rhabarberbaiser über Beeren und Apfelkuchen bis hin zu spätsommerlichem Hefe-Zwetschgenkuchen – wird erhalten bleiben“, kündigt Stroppel an. Ergänzt wird das Angebot am Wochenende mit einer saisonalen Tagessuppe. Auch das Konzept der Villa Remeis zieht mit.
Denn seit rund 30 Jahren arbeiten in Küche und Service Menschen mit psychischen Erkrankungen, die im Agnes-Neuhaus-Heim des SkF leben. „Die Beschäftigung gibt ihnen Struktur und stärkt das Selbstvertrauen“, sagt Stroppel.
Einer von ihnen ist Michael (Name geändert). Bei der Generalprobe trägt er eine Beretthaube – denn sein künftiger Einsatzort ist die Küche. „Ich hoffe, die Arbeit bringt mir wieder Struktur und einen geregelten Alltag“, sagt der 39-Jährige. Nach einer Psychose und mehreren Klinikaufenthalten hatte er sich lange zurückgezogen. „Ich sehe die Tätigkeit hier als Training, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen.“
Zwölf Bewohnerinnen und Bewohner des Agnes-Neuhaus-Heims werden den Betrieb in Service und Küche tragen. Arbeitstherapeutin Theresa Williams begleitet sie: „Ich leite nur an und achte darauf, wenn zum Beispiel jemand eine Pause braucht“, erklärt sie. „Viele haben im Leben das Gefühl bekommen, anderen zur Last zu fallen. Hier sind sie die Macher!“