In der Corona-Krise zeigt sich, welche Herausforderungen Schulen und Kindertagesstätten meistern müssen, um Betreuungsangebote trotz aller Widrigkeiten umsetzen zu können. Aber auch schon vor der Pandemie standen drängende Aufgaben im Klausurenplan der städtischen Bildungspolitik. Im Kultursenat wurde dies jetzt nochmals deutlich.

Da wäre zum einen das "Fach" Ganztagesbetreuung : Bildungsreferent Matthias Pfeufer skizzierte in einem Eckpunktepapier die verschiedenen Formen von Betreuungen im Grundschulalter: klassische Mittagsbetreuung, über offene bis gebundene Ganztagesformate, Hort und kooperativer Ganztag, welche auch mit Jugendhilfe kombiniert werden können. Das Ziel der Großen Koalition im Bund lautet: Bis zum Jahr 2025 soll der Rechtsanspruch auf die Ganztagesbetreuung stehen. Familie und Beruf sollen besser vereinbar werden.

In den Bamberger Grundschulen herrscht eine gesamte Betreuungsquote von 58 Prozent beziehungsweise 1169 Kindern, welche vor allem auf die Form der Mittagsbetreuung mit 724 Kindern entfällt. 291 Kinder werden im Hort betreut, und in Sachen Kindergärten mit Schulkindbetreuung sind 80 Kinder am Start. Mit insgesamt 74 Kindern sind vor allem der offene und teils der gebundene Ganztag abgedeckt.

Bis zur " Zwischenprüfung " im Schuljahr 2025/26 stehen noch Unsicherheiten im Raum. Welches Niveau der Betreuungsquoten kann erreicht werden? Denn bei einem Zuwachs von voraussichtlich 624 Grundschulkindern würde eine Betreuungsquote von angestrebten 70 Prozent einen Bedarf von 676 zusätzlichen Plätzen bedeuten, bei 80 Prozent gar 940. Immerhin 90 Prozent der Baukosten können durch Förderungen des Bundes abgefedert werden. Die Lösung des Bildungsbüros: Raumanalysen, um den Platzbedarf abzustimmen, die Grundschulen ins Boot holen und sich mit den anderen nicht-städtischen Trägern zusammenzusetzen. Dazu soll eine neue Personalstelle geschaffen werden, die das passende Konzept ausarbeitet und umsetzt.

"Hier sieht man, wie wichtig die Einrichtung des Bildungsbüros war", ist sich Wolfgang Grader von Grünes Bamberg sicher. So gerüstet könne die Kommune gut arbeiten, da bereits jetzt Handlungsbedarf bestehe. SPD-Mann Klaus Stieringer hob die Rolle der Ganztagesbetreuung hervor, da sie mehr als nur Wissensvermittlung, sondern auch soziale Interaktion bedeute. "Die Stadt steht damit vor einer Herkulesaufgabe, die neuen Plätze umzusetzen", findet Stephan Kettner von der Bamberger Linken Liste. Man sehe, dass das städtische Wachstum die Kapazitäten an die Grenze bringe und bei neuen Baugebieten die Frage nach der Betreuungssituation immer mitgedacht werden müsse. Der Senat übernahm einstimmig den Vorschlag zur Schaffung der Personalstelle.

Der große Platzbedarf bei den Grundschulen in Bamberg-Ost ist dann schon eher die "Abschlussprüfung". Der Vorschlag: Ungenutzte Räume der Pestalozzischule, welche nun von der Fachhochschule des Mittelstands nicht mehr gebraucht werden, sollen im ersten Schritt als Außenstelle der Rupprechtschule und möglicherweise weiterer Schulen fungieren, erklärt Pfeufer. Claudia John sieht Probleme bei der Organisation, wenn sogar mehrere Schulen den neuen Außenstandort nutzen sollen. "Warum richtet man nicht eine weitere Grundschule in Bamberg-Ost - nach Möglichkeit sogar eine inklusive - ein?", fragt die Stadträtin der Freien Wähler . "Schulneugründungen in Bayern gestalten sich in Bayern mit vier bis fünf Jahren Planungen", erklärt Bürgermeister Wolfgang Metzner . Ein Weg, so Pfeufer, welcher mit der Regierung bereits sehr konstruktiv begangen werde.

"Tropfen auf den heißen Stein"

"Natürlich ist die jetzige Lösung nur ein Tropfen auf den heißen Stein", räumt der Bildungsreferent ein. Allerdings verteidigt er die Zwischenlösung, da neben Klassenzimmern auch Fachräume und eine Sporthalle zur Verfügung stünden. Es sei denkbar, dass dann ein kompletter Jahrgang dort unterrichtet wird. Grünen-Politiker Grader wünscht sich schon eine frühzeitige Diskussion über einen möglichen neuen Schulstandort im Osten: "Vielleicht können wir als Modellkommune einer sprengelfreien Mittelstadt wirken". Aus Pfeufers Sicht ist die Gesamtbetrachtung wichtig, um die Kapazitäten an allen Standorten im Blick zu behalten, aber gleichzeitig kurze Schulwege beizubehalten. Am Ende stimmte der Senat auch dem CSU-Antrag zu, dass im Laufe des Jahres eine Grundsatzentscheidung zu einem Grundschulverbund in Bamberg-Ost fallen soll.