Sebastian Schanz Das 50 Meter lange Schwimmbecken im Bambados ist wie das Abbild der modernen Leistungsgesellschaft. Ein Panoptikum verschiedenster Schwimmtypen, von den Fachangestellten für Bäderbetriebe klar unterteilt in Freizeitbereich und Sportbahn. Dort ziehen die Krauler ihre Kreise, unbestritten die Leistungsträger unter den Schwimmern, beinahe maschinell eingetaktet in Armschwung, Beinschlag und Atemschnappen. Gegenpart bilden die Brustschwimmerinnen, die stoisch Kilometer um Kilometer schrubben, ohne sich ihre Haare nass zu machen - wahre Musterbeispiele an Disziplin. Dennoch belächelt von den Sportbrustschwimmern, die mit weniger Zügen schneller vorankommen, weil sie sich auf die Materie Wasser ganz und gar einlassen. Leider sehr selten geworden ist in deutschen Schwimmbädern der Schmetterling. Dabei ist es ein Naturschauspiel, einen gekonnten Delphin durchs Wasser pflügen zu sehen, wie einen Dampfer bei Wellengang. Niemand würde es wagen, einer solchen Gewalt in den Weg zu paddeln. Außer Rückenschwimmer natürlich.

Rückenschwimmer sind so etwas wie die Outlaws im Schwimmbecken. Rückenschwimmern ist alles egal. Sie kümmern sich nur um ihre eigene Linie, ihre eigene Frequenz, ihre eigene Geschwindigkeit. Man kann von Rückenschwimmern viel lernen. Den Kopf entspannt nach hinten gelegt, den Blick nach oben gerichtet, stört es sie nicht, was hinter ihnen, also vor ihnen in der Bahn passiert. Sie schlagen mit den Armen kräftig nach hinten, und mögliche menschliche Hindernisse werden schon weichen - oder werden getroffen. Es gibt Tage in der Leistungsgesellschaft, da muss man einfach ein Rückenschwimmer sein. Auf den eigenen Puls hören, die eigene Geschwindigkeit finden. Und die Hindernisse? Die werden schon weichen.