Zunehmend Frauen betroffen
Autor: Saale-Zeitung
Münnerstadt, Sonntag, 31. Mai 2026
Gesundheit Das Thoraxzentrum machte zum Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit auf unterschätzte Symptome und Risiken bei Frauen aufmerksam. Lungenkrebs ist längst keine reine Männererkrankung mehr.
Wenn über Frauengesundheit gesprochen wird, stehen häufig Themen wie Brustkrebs, Osteoporose oder Herzinfarkt im Fokus. Dass auch Lungenerkrankungen Frauen zunehmend betreffen, ist dagegen vielen Menschen noch immer nicht bewusst. Darauf machte Grigori Petelnikow, Chefarzt der Thoraxchirurgie am Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken, laut einer Pressemitteilung anlässlich des Internationalen Aktionstags für Frauengesundheit aufmerksam.
„Lungenkrebs ist längst keine reine Männererkrankung mehr“, betonte Petelnikow. „Wir behandeln zunehmend Frauen mit dieser Diagnose – teilweise auch jüngere Patientinnen.“ Besonders problematisch sei dabei, dass frühe Warnzeichen häufig unspezifisch seien und deshalb oft unterschätzt würden.
Beschwerden häufig erst spät abgeklärt
Gerade Symptome wie Atemnot, chronischer Husten, verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit oder Erschöpfung würden bei Frauen nicht selten zunächst mit Stress oder alltäglicher Überlastung erklärt. „Viele Frauen funktionieren im Alltag sehr lange weiter“, so Petelnikow. „Sie kümmern sich um Familie, Kinder, Partner oder Angehörige und stellen die eigene Gesundheit oft hinten an. Beschwerden werden dadurch häufig erst spät medizinisch abgeklärt.“
Auch das Rauchverhalten spiele weiterhin eine wichtige Rolle. Zwar sei das Gesundheitsbewusstsein insgesamt gestiegen, dennoch habe die Zahl der Lungenkrebserkrankungen bei Frauen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – unter anderem als Folge veränderter Rauchgewohnheiten früherer Jahrzehnte, heißt es weiter.
„Viele Betroffene erwarten schwere Symptome oder starke Schmerzen. Gerade zu Beginn zeigen sich Lungenerkrankungen jedoch häufig eher durch schleichende Veränderungen wie anhaltende Müdigkeit, Luftnot bei Belastung oder reduzierte Leistungsfähigkeit“, erklärte Petelnikow. Darüber hinaus könnten auch chronische Erkrankungen, die häufiger Frauen betreffen, Auswirkungen auf die Lunge oder die allgemeine Belastbarkeit haben. Dazu zählen beispielsweise autoimmune Erkrankungen oder auch Folgen langjährigen Rauchens, die das Risiko für COPD oder Lungenkrebs erhöhen.
Rauchen bleibt wichtigster Risikofaktor
Mit Blick auf den Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai appellierte der Thoraxchirurg deshalb besonders an Prävention und Früherkennung. „Rauchen bleibt der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für viele schwere Lungenerkrankungen. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen ernst zu nehmen und Beschwerden frühzeitig abklären zu lassen“, so Petelnikow.
Gerade deshalb sei es wichtig, geschlechterspezifische Unterschiede in der Medizin stärker wahrzunehmen. „In vielen Bereichen der Medizin hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken begonnen – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Erforschung frauenspezifischer Symptome. Diese Aufmerksamkeit braucht es auch bei Lungenerkrankungen“, erklärte Petelnikow.