Ausbildung Unter dem Titel „Eingreifbahnhof“ hat die Bundespolizei unter Realbedingungen geübt.
Ausnahmezustand am Bahnhof in Ebenhausen: Rund 200 Polizisten stehen vor dem kleinen Bahnhof des Oerlenbacher Ortsteils und positionieren sich. Die Türen einer Regionalbahn öffnen sich, rund 80 Fußballanhänger – gekleidet in blau-schwarzer, szenetypischer Fanbekleidung – steigen aus dem Zug auf Gleis 3 aus. Die erste Pyrotechnik wird gezündet, Fangesänge ertönen lautstark, die Derby-Atmosphäre ist aufgeheizt, und die Fans wollen nur eines – hin zum Spiel, ins Stadion und ihre Mannschaft unterstützen.
Die Bundespolizei ist vor Ort und empfängt die Fußballfans. Was aussieht wie ein echter Einsatz, ist in Wahrheit ein groß angelegtes Ausbildungsvorhaben des Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrums in Oerlenbach (BPOLAFZ OEB) in Kooperation mit der Bundesbereitschaftspolizeiabteilung aus Hünfeld (BPOLABT Hün), heißt es in einer Pressemitteilung. Diese praktische Ausbildung sollte eine realitätsnahe Kulisse für die Lagebewältigung bei Großveranstaltungen, beispielsweise bei Fußballspielen der Profi- und Amateurvereine, nachstellen. So wurden polizeiliche Anlässe und Maßnahmen anhand eines realen Fußballspiels geübt, die den teilnehmenden Polizeikräften vorher nicht bekannt waren.
Taktische Maßnahmen
Bei rund 450 Teilnehmern, darunter fast alle Lehrgruppen und ein Großteil des Stammpersonals aus Oerlenbach sowie zwei Einsatzzüge der ersten Hundertschaft aus Hünfeld, war allein die Übungsplanung und -durchführung für die Leitung unter der Regie von Polizeihauptkommissar Marco Hoos eine echte Herausforderung. Ziel war es, insbesondere taktische Maßnahmen zu trainieren, den Einsatz von Führungs- und Einsatzmitteln zu festigen, Erste-Hilfe-Fälle souverän zu versorgen und das Zusammenwirken in komplexen, verbandspolizeilichen Lagen zu stärken.
Für die Polizeianwärter und -anwärterinnen war an diesem Tag viel geboten. Einige von ihnen wurden in die Einsatzzüge aus Hünfeld integriert und durften somit von erfahrenen Beamten lernen und miterleben, was es bedeutet, einen zehnstündigen Einsatz zu bewältigen sowie die Konzeption eines „Eingreifbahnhofs“ und einer „Bearbeitungsstraße“ kennenzulernen. Alle anderen Anwärter erlebten die polizeilichen Maßnahmen aus Sicht der Fußballfans.
Parallel zu diesen Geschehnissen am Bahnhof in Ebenhausen fand eine Busanreise mit rund 60 weiteren Fußballfans statt. Diese Anreisephase wurde bei der Bundespolizei in Oerlenbach dargestellt. Auch hier waren die Polizeischüler und -schülerinnen gefragt. Der Bus wurde durchsucht, die Fans durch eine Bearbeitungsstraße geführt und deren Identität festgestellt. Unabhängig vom Einsatzort galt: Gute Kommunikation und klare Absprachen im Team sind notwendig, um die Lage gemeinsam zu bewältigen.
Ausschreitungen am Weg zum Stadion
Nach dem begleiteten Marsch der Fußballfans vom Ebenhäuser Bahnhof nach Oerlenbach kam es innerhalb des Ausbildungszentrums in Oerlenbach zu weiteren Ausschreitungen auf dem Weg in das Fußballstadion, das eigens mit Einlasskontrollen, Absperrgittern und einem Stadionsprecher auf dem Sportplatz der Unterkunft eingerichtet wurde. Dort trafen die Fangruppen beider Mannschaften aufeinander und kamen rasch in Derbystimmung. Es wurde laut, Fan-Gesänge hallten durch das Stadion, Gegenstände flogen durch die Luft, Pyrotechnik wurde gezündet, und es kam zu Verletzten auf beiden Seiten. Die Polizeikräfte setzten Pfefferspray ein und mussten die betroffenen Anhänger per Erste-Hilfe-Maßnahmen versorgen.
Diese Stadionszenen wurden durch das Stammpersonal Oerlenbach und die Polizeischüler dargestellt, die durch Polizeikommissarin Lorena Schott koordiniert wurden.