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Was grünt am ehemaligen Todesstreifen?


Autor: Saale-Zeitung

, Mittwoch, 01. Juli 2026

Die etwas andere Grenzwanderung mit Rangerin Katja Winter entlang der Grenze der ehemaligen DDR.
Rangerin Katja Winter zeigte anhand verschiedener Pflanzenarten auf, dass auch heute noch der einstige Grenzstreifen ein wichtiges Biotop ist, das erhalten werden muss. Hanns Friedrich


„Habt ihr das eben gehört? Das war ein Wendehals, ein typischer Bewohner von Streuobstflächen. Natürlich bekamen die Touristiker, die vom Verein Haßberge Tourismus im Rahmen mehrerer Workshops eingeladen waren auch Informationen zum einstigen Todesstreifen von Kreiskulturreferent Hanns Friedrich.

Geschäftsführerin Susanne Volkheimer verwies auf das Thema des Tages „Heimat entdecken“. Auf dem „Grenzgängerweg“ im Bereich des thüringischen Grabfeldes stand vor allem das „Grüne Band“ im Fokus des Nachmittags. Die Gäste waren beeindruckt von einer fast unberührten Landschaft mit seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Sie erfuhren aber auch einiges über die Zeit des DDR-Regimes, als sie zum Beispiel vom Hausberg bei Schlechtsart einen Blick in den Westen werfen konnten. Rangerin Katja Winter ging dabei auf die Vorteile in der Natur ein, die dieser unberührte Todesstreifen mit sich brachte.

Ehemalige Minenfelder

Dort, wo einst Minenfelder und Metallgitterzaun eine Flucht in den Westen unmöglich machten, konnte sich die Natur ungehindert entfalten. Das wiederum führte nicht nur zu seltenen Pflanzenarten, sondern auch Vögel, Schmetterlinge oder Käferarten, die teils heute auf der „roten Liste“ stehen.

Zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten diente der einstige Todesstreifen nicht nur als Lebensraum, sondern auch als Wander- und Ausbreitungsfläche. „Das Grüne Band ist daher äußerst wertvoll für sowohl die lokale als auch die überregionale Biodiversität der jeweiligen Region.“ Deshalb sind Teile des Grünen Bandes bereits Nationales Naturerbe, das damit auch auf bayerisches Gebiet reicht.

Beispiel dafür ist das Naturschutzgebiet „Altenburg im fränkischen Trappstadt.“ Dort ist das ausgedehnte Waldgebiet und die naturnahen Flächen Heimat geschützter Arten. So findet man hier zum Beispiel den großen Schillerfalter aber auch den Neuntöter. In diesem Gebiet, am Grenzwanderweg, befindet sich der Spanshügel.

Hanns Friedrich: „Hier stand zu DDR-Zeiten ein Wachturm. Die Soldaten hatten einen weiten Blick in das thüringische und das fränkische Land, bis zu den Gleichberge und weit über Bad Königshofen hinaus.“

Panoramatafel

Das erfährt man auf einer Panoramatafel des Naturpark Haßberge. Im Bereich des Grenzgängerweges liegt das Naturschutzgebiet „Schlechtsarter Schweiz“. Das ist auch der Grund, dass eine auf Thüringer Seite gebaute Straße an der Grenze zur Bundesrepublik abrupt endet. Der Plan die Straße nach Trappstadt weiterzuführen, scheiterte am Naturschutzgebiet, erfuhren die Touristiker vor Ort.

Im Laufe der Wanderer zeigte Katja Winter verschiedene Pflanzenarten. Dazu gehörte der Färberginster, die Wiesen-Margerite, die Spierstaude oder auch die Wiesen Glockenblume.

Das heutige „Grüne Band“ wurde in den 1970er Jahren, also noch zu DDR-Zeiten von Kai Frobel entdeckt. Der Ornithologe wuchs an der Grenze auf und erkannte den Artenreichtum im Todesstreifen und dem sogenannten Niemandsland.

Seltene und bedrohte Vogelarten wie Braunkehlchen, Raubwürger, Ziegenmelker und Heidelerche brüteten im Grenzstreifen. All das wurde von Ehrenamtlichen kartierte und vom Bund Naturschutz unterstützt. Er nannte seine Recherchen „Todesstreifen: Lebensader für seltene Arten.“

Grünes Band

Nach dem Fall der Grenze in den Novembertagen 1989 gab es Kontakte in die damals noch bestehende DDR und es wurde der Begriff „Grünes Band“ geprägt. Gerade auch im Landkreis Rhön-Grabfeld hatte man dies erkannt. Westdeutsche Imker stellten zum Beispiel ihre Bienenkästen in der Nähe des Grenzzaunes bei Irmelshausen auf und bekamen dadurch sehr gute Honigqualität.

Das und vieles Mehr erfuhren die Gäste beim der etwas anderen Grenzwanderung ebenso Erlebnisse von Flüchtlingen oder menschlichen Begegnungen zwischen Ost und West.