Von Rittern, Wappen und Nasen
Autor: Saale-Zeitung
Münnerstadt, Montag, 11. Mai 2026
Stadtpfarrkirche Ein Blick auf die Epitaphe in Münnerstadt: Mit feinen Pinseln und detektivischem Spürsinn widmet sich Stefan Lochner den Spuren der Vergangenheit und rückt beim Vortrag altehrwürdige Persönlichkeiten ins Rampenlicht.
Der Münnerstädter Restaurator Stefan Lochner hat in seinem Vortrag über die Epitaphe der Stadtpfarrkirche das Interesse daran geweckt, diese Erinnerungs- und Grabmäler einmal näher zu betrachten. Im Rahmen der Reihe „Schatzkästlein Maria Magdalena“ stellte der Münnerstädter die Restaurierungsarbeiten an diesen Kunstwerken vor und berichtete über dargestellte Personen. Somit war der Vortrag vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern auch ein Ausflug in die örtliche Stadtgeschichte.
Epitaphe seien Erinnerungsmale an Verstorbene, erläuterte Stefan Lochner. Die Gedenktafeln im Kircheninneren waren dem Adel vorenthalten. Wer nicht dem Adel zugehörig war, aber zu den Honoratioren der Stadt zählte, konnte zumindest einen Platz an der Außenwand der Stadtpfarrkirche finden. Bis heute findet sich an der Außenseite ein solches Erinnerungsmal des einstigen Pfarrers Andreas Blatt, der als Figur im Heimatspiel im Münnerstädter Gedächtnis erhalten geblieben ist.
Der Epitaph einer Patrizierfamilie, Martin und Sophia von Burdian (gest. 1572 und 1606), hat auch ohne Adelslinie den Weg ins Kircheninnere gefunden. Ursprünglich war diese sehenswerte Steintafel jedoch ebenfalls an der Außenseite der Kirche angebracht und wurde in der Neuzeit zum Schutz vor Verwitterung ins Gotteshaus geholt.
Unterstüzter Martin Luthers
Stefan Lochner verwies auf die Wappen, die in die Epitaphe gemeißelt sind. Damit wird der Adelstand der darauf Verewigten belegt. Bis zu den Großeltern und einmal sogar bis zu den Urgroßeltern sind die Wappen aufgeführt. Der Epitaph des Karl von Schaumberg (gest. 1578) – er war zwei Jahre bischöflicher Amtmann im Ort – zeigt insgesamt 16 Wappen.
Die Tafel von Sylvester von Schaumberg (gest. 1534) erinnert an einen adligen und einflussreichen Ritter. Er war Amtmann der Stadt und gehörte dem Ritterstand an. Sylvester von Schaumberg gilt als Unterstützer Martin Luthers, erläuterte Stefan Lochner. Luther erhielt von Schaumberg ein Schutzangebot für den fränkischen Raum.
Trotzdem folgte Schaumberg im Bauernkrieg dem Ruf des Bischofs, der ihn nach dem Krieg wieder als Amtmann in Münnerstadt einsetzte.
Nicht gesichert ist, wer die Epitaphe gearbeitet hat. Doch dank vorhandener Steinmetzzeichen gebe es Hinweise auf die Bildhauer, erläutert Lochner. Beim Epitaph von Sylvester von Schaumberg ist das Monogramm BF zu finden. In Bundorf (Landkreis Haßberge) habe zu dieser Zeit der Steinmetz Bernhard Friedrich gewirkt. Gut möglich, dass er der Erschaffer sei.