Übersetzen ist eine ganz feine philologische Arbeit
Autor: Saale-Zeitung
, Sonntag, 11. Oktober 2026
Amelie Thoma ist gebürtige Schwäbin, Berlinerin, Lektorin, Moderatorin, und – vor allem – ist sie eine begeisternde und begeisterte Übersetzerin aus dem Französischen. Sie kam auf Einladung des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums und der Buchhandlung Eisenmann (Bücherpavillon Bad Bocklet) ins Unterfränkische. Im Gespräch mit den Elftklässlerinnen und Elftklässlern der Schule und einigen externen Gästen berichtete Amelie Thoma von ihrer Arbeit.
Wie es in einer Pressemitteilung des Gymnasiums heißt, beantwortete sie sehr sprachsensibel die Fragen der Schülerinnen und Schüler. In ihrem Vortrag stellte sie ihr feines Handwerk beeindruckend vor, was ihr viel Respekt einbrachte.
Thoma hat die Großen der klassischen Moderne (Simone de Beauvoir) und der aktuellen Bestenliste übersetzt oder neu übersetzt (Anne Berest, Leila Slimani). Teils alleine, teils im Tandem.
Und die Palette, die Wirkungsbreite ihres Schaffens, ist enorm. Von belletristischen Texten für Erwachsene bis hin zu All-Age-Fantasy und dystopischen sowie essayistischen Texten reichen die Spielfelder.
Thoma gelang es, anhand von Übersetzungskonstellationen aus der Lyrik zu zeigen, wie der Spagat zwischen Werktreue und freier Übersetzung zu bewerkstelligen ist, was den Übersetzer in gewisser Weise zum Co-Autor macht. Übersetzerinnen, so viel wurde klar, sind eben auch Urheberinnen.
Natürlich blieb es nicht aus, dass über die Herausforderungen, welche die Künstliche Intelligenz dem Berufsfeld bringt, über die Bezahlung und Wertschätzung dieser geistig anspruchsvollen Arbeit gesprochen wurde. Und doch blieb immer klar: Da hat jemand sein Glück in der Übertragung von Texten, in der Feinarbeit des Philologischen gefunden.
Dass rund 90 Prozent der übersetzten Literatur auf dem Buchmarkt derzeit aus den englischsprachigen Ländern stammt, dass der Transfer aus dem Französischen also ein wenig zur Nische geworden ist, nahm der Begegnung mit Thoma für die teils französisch sprechenden Schüler des Gymnasiums nichts von der Faszination, so die Pressemitteilung. red