Sind wir für Katastrophen gerüstet?
Autor: Saale-Zeitung
Hammelburg, Sonntag, 15. März 2026
Vortrag Sicherheits- Experte Klaus Roth hat in der Markthalle über den Bevölkerungsschutz in Deutschland gesprochen. Dabei wurde klar: Jeder muss selbst vorsorgen.
Wie funktioniert Zivilschutz und Katastrophenschutz in Deutschland? Dieser Frage widmete sich Klaus Roth bei einer Kooperationsveranstaltung der Volkshochschule Hammelburg mit der Europa-Union Hammelburg in der Markthalle. Roth ist laut Pressemitteilung an verschiedenen Volkshochschulen in Unterfranken als Dozent tätig und stellte zu Beginn fest, dass es an anderen Volkshochschulen selten so voll ist wie in Hammelburg.
Unter den rund 40 Zuhörern befanden sich neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch zahlreiche Experten, die in diesem Bereich tätig sind: Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der Feuerwehren, des Katastrophenschutzes sowie der Bundeswehr.
Zunächst erklärte der Referent die Begriffe und Zuständigkeiten: Bevölkerungsschutz ist der Oberbegriff für Zivilschutz und Katastrophenschutz. Der Zivilschutz ist Aufgabe des Bundes und unter anderem im Artikel 73 des Grundgesetzes geregelt, um die Zivilbevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren zu schützen. Der Katastrophenschutz in Friedenszeiten ist Aufgabe der Länder und umfasst die Gefahrenabwehr bei Katastrophen. Großschadenslagen sind Ereignisse mit vielen Verletzten und Betroffenen oder erheblichen Sachschäden, die die üblichen Kapazitäten des täglichen Rettungsdienstes übersteigen.
Roth nannte verschiedene Beispiele für Großschadenslagen, etwa den Reaktorunfall in Tschernobyl, bei dem aufgrund radioaktiven Fallouts Erntevernichtung und das Schlachten von Tieren angeordnet wurden. Weitere Beispiele waren die Ahrtalflut und große Schneekatastrophen in Bayern. Bei Waldbränden kann es gefährlich werden, wenn Munition im Wald liegt, weshalb die Bundeswehr mit Hubschraubern unterstützt.
Da der Katastrophenschutz Ländersache ist, gibt es in Deutschland 16 Katastrophenschutzgesetze, die im Wesentlichen gleich gestaltet sind. Die Aufgaben liegen meist bei den Gemeinden und Landkreisen. Diese sind auch für die Ausrufung des Katastrophenfalls verantwortlich, was im Ahrtal nach Roths Ansicht nicht rechtzeitig geschah. Der Referent forderte, dass die Kommunen für diese Aufgabe ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden militärische und zivile Verteidigungsstrukturen zurückgebaut. Seit 2023 gibt es zwar Rahmenrichtlinien zur Gesamtverteidigung in Deutschland, doch es fehlt vielerorts an Übungserfahrung. Das Zusammenspiel von Militär und Polizei müsse noch verbessert werden.
Zur Vorbereitung auf Krisen gehört auch die Eigenvorsorge jeder Bürgerin und jedes Bürgers: „Jeder Bürger trägt Verantwortung“, betonte Roth. In einem großen Krisenfall gebe es viele Verwundete, sodass Feuerwehr und Rettungsdienste ausgelastet wären.