Mehr Frauen in die Politik
Autor: Stefanie Schneider
, Sonntag, 25. Oktober 2026
Wie können mehr Frauen für politische Verantwortung gewonnen werden? Welche Rolle spielt die Europäische Union bei der Gleichstellung? Und was können Kommunen selbst dazu beitragen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des APG-Stammtisches im Europahaus Hammelburg. Der Arbeitskreis Politik und Gesellschaft (APG) ist Teil der Europa-Union in Hammelburg und veranstaltet regelmäßig offene Stammtische zu politischen und gesellschaftlichen Themen.
Stefanie Schneider, stellvertretende Leiterin des APG, berichtete über das europapolitische Seminar „Frauen für Europas Zukunft – Lokal handeln, Politik gestalten“, das Ende September an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing in Kooperation mit FidiP e. V. und mit Unterstützung des Europäischen Parlaments stattgefunden hat.
Anhand internationaler Vergleiche verdeutlichte Schneider die unterschiedliche Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen. Während Frauen rund 52 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, liegt ihr Anteil im Bundestag bei lediglich 32,4 Prozent. Auch in der Kommunalpolitik sind Frauen unterrepräsentiert. Nur etwa 13,5 Prozent der Bürgermeisterämter sind mit Frauen besetzt. Andere Länder zeigen, dass höhere Frauenanteile durch gezielte Förderung, verbindliche Regelungen und entsprechende politische Rahmenbedingungen möglich sind.
Auch der Global Gender Gap Report 2026 verdeutlicht Unterschiede. Weltweit sind demnach erst 69,2 Prozent der Geschlechterlücke geschlossen. Bei gleichbleibendem Tempo könnte die vollständige Gleichstellung noch rund 120 Jahre dauern.
Schneider erläuterte die EU-Gleichstellungsstrategie 2026 bis 2030 mit ihren Schwerpunkten bei politischer Teilhabe, wirtschaftlichen Chancen, Schutz vor Gewalt und Gleichstellung in Führungspositionen. Anhand der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie und der Führungspositionenrichtlinie zeigte sie, wie politische Ziele in rechtliche Vorgaben umgesetzt werden.
Besonderes Augenmerk legte Schneider auf die Umsetzung vor Ort. Frauen müssten ermutigt werden, politische Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig brauche es gute Rahmenbedingungen, forderte sie. Dazu gehören familienfreundliche Sitzungszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Pflege und Ehrenamt, faire Chancen bei politischen Ämtern sowie stärkere Netzwerke. Gleichstellung könne nur gelingen, wenn Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Im Anschluss moderierten APG-Leiter Stefan Heller und seine Stellvertreterin Stefanie Schneider gemeinsam den Austausch mit den Teilnehmenden. Dabei standen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und die Frage im Mittelpunkt, wie Frauen stärker für politische und gesellschaftliche Aufgaben gewonnen werden können.