Leserbrief zum Artikel „Ein Mammut-Projekt – Wie das Open Air mit Sir Simon Rattle ein grandioser Abend wurde“ über das Open-Air-Konzert „Carmina Burana“ vom 14. Juli 2026 auf der Titelseite: :
Der Kissinger Sommer zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Klassikfestivals Deutschlands. Jahr für Jahr kommen internationale Spitzenorchester, weltberühmte Solisten und herausragende Dirigenten nach Bad Kissingen. Dieses Festival genießt weltweit einen ausgezeichneten Ruf und ist das kulturelle Aushängeschild unserer Stadt. Umso befremdlicher ist die zunehmende Gleichgültigkeit, mit der ein Teil des Publikums diesem besonderen Anlass begegnet. Immer häufiger erscheinen Besucher bei den Konzerten in kurzer Hose, Achselshirt, Flipflops oder mit Baseballkappe.
Offenbar sind manche der Meinung: „Ich habe meine Eintrittskarte bezahlt, also kann ich anziehen, was ich will.“ Genau diese Einstellung halte ich für völlig verfehlt. Der Kauf einer Eintrittskarte berechtigt zwar zum Konzertbesuch – er entbindet aber nicht vom Respekt gegenüber den Künstlern, den Mitbesuchern und der Veranstaltung selbst.
Besonders fragwürdig ist dieses Verhalten bei den Open-Air-Konzerten . Dass es warm ist, wissen die Musiker auf der Bühne ebenso. Trotzdem stehen Orchester, Chor, Solisten und der Dirigent auch bei Temperaturen von weit über 30 Grad in ihrer Konzertgarderobe, beziehungsweise mit Smoking und Abendkleidern auf der Bühne.
Niemand käme auf die Idee, dass der Dirigent in kurzer Hose dirigiert oder die Orchestermitglieder in Freizeitkleidung auftreten. Sie erweisen der Musik und dem Publikum den Respekt, den ein solches Festival verdient. Somit sollte es auch selbstverständlich sein, dass das Publikum diesen Respekt erwidert.
Noch unverständlicher ist für mich, dass diese Entwicklung inzwischen sogar im Regentenbau zu beobachten ist. Selbst wenn Weltstars wie Anne-Sophie Mutter auftreten, erscheinen manche Besucher in einer Kleidung, die eher zu einem Einkaufsbummel oder einem Grillabend passt, als zu einem Konzert von internationalem Rang. Hier geht es nicht um Luxus oder teure Designermode, sondern um Stil, Anstand und Wertschätzung.
Ein Konzert des Kissinger Sommers ist keine Strandparty, kein Volksfest und keine beliebige Freizeitveranstaltung. Wer daran teilnimmt, sollte das auch durch sein Erscheinungsbild zum Ausdruck bringen. Kurze Hosen, Achselshirts, Flipflops, Baseballkappen und – ja, auch Turnschuhe – haben bei einem Konzert dieses Niveaus aus meiner Sicht nichts verloren.