Kommunalpolitiker zum Mitmachen bewegen

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Stefanie Schneider Andreea Colintineau
Stefanie Schneider Andreea Colintineau

Wenn von Europa die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an Brüssel, Straßburg oder komplizierte Entscheidungswege. Für Stefanie Schneider beginnt Europa jedoch in den Städten und Gemeinden, in Schulen, Vereinen und im Gespräch mit den Menschen vor Ort. Die Fuchsstädterin ist Physiotherapeutin, Mutter von fünf Kindern und seit vielen Jahren ehrenamtlich und kommunalpolitisch engagiert.

Seit 2016 ist sie Jugendbeauftragte der Gemeinde Fuchsstadt, seit 2020 gehört sie dem Gemeinderat an. Darüber hinaus arbeitet sie unter anderem in der Pflegekonferenz des Landkreises Bad Kissingen mit. Kinder, Jugendliche und Familien, eine verlässliche medizinische und pflegerische Versorgung sowie die Stärkung des Ehrenamts gehören zu ihren politischen Schwerpunkten.

Seit 2023 engagiert sie sich zusätzlich bei den „EuropaGemeindeRäten Bayern“ sowie im „EU Local Councillors Network“. Beide Netzwerke verfolgen ein gemeinsames Ziel: Europa soll in den Kommunen verständlicher, sichtbarer und greifbarer werden.

Dennoch unterscheiden sie sich in ihrer Ausrichtung. Die „EuropaGemeindeRäte Bayern“ sind ein überparteiliches Bildungs-, Informations- und Fortbildungsprogramm der Europäischen Akademie Bayern. Es richtet sich an gewählte Stadt- und Gemeinderäte im Freistaat. Jedes gewählte Mitglied eines bayerischen Kommunalparlaments – unabhängig davon, ob es einem Gemeinderat oder Stadtrat angehört – kann Mitglied werden und sich für das Programm anmelden.

Das „EU Local Councillors Network“ ist dagegen europaweit ausgerichtet. Es wird gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Ausschuss der Regionen getragen und verbindet mittlerweile mehr als 3.000 gewählte kommunale und regionale Mandatsträger aus allen EU-Mitgliedstaaten. Im Unterschied zum bayerischen Format erfolgt die Ernennung durch die Kommune. Dabei gibt es in der Regel einen Hauptansprechpartner, der als EuropaGemeindeRat die Verbindung zwischen der Gemeinde und dem europäischen Netzwerk hält. Die Mitglieder sollen selbst aktiv werden und europapolitische Veranstaltungen in ihren Städten und Gemeinden organisieren. Dafür stellt die Europäische Union Hilfestellungen zur Verfügung.

Beide Angebote ergänzen sich nach Schneiders Erfahrung sehr gut. Wie wichtig diese Netzwerke nach einer Kommunalwahl sind, zeigte die Auftaktkonferenz der „EuropaGemeindeRäte Bayern“ Ende Juni in München. Neben fachlichen Impulsen stand dort der persönliche Austausch im Mittelpunkt.

Für Schneider ist gerade dieser Kontakt besonders wertvoll: „Man hört, welche Ideen andere Gemeinden bereits umgesetzt haben, welche Schwierigkeiten es gab und was sich vielleicht auch bei uns im Landkreis verwirklichen ließe. Nicht jede Kommune muss das Rad neu erfinden.“ Viele Entscheidungen, die Städte und Gemeinden unmittelbar betreffen, haben einen europäischen Bezug – beispielsweise bei Energieversorgung und Klimaschutz, regionaler Entwicklung, Digitalisierung, Bildung, Jugendbegegnungen oder Förderprogrammen.

Schneider möchte besonders die neu gewählten Gemeinde- und Stadträte im Landkreis Bad Kissingen und in der Region ermutigen, sich über beide Netzwerke zu informieren. Eine Teilnahme sei nicht nur für ausgewiesene „Europaexperten“ gedacht. Auch Bürgermeister können nach ihrer Ansicht einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die Angebote in ihren Gemeinde- und Stadträten bekannt machen oder selbst in den Projekten aktiv werden. Wo eine eigene Teilnahme nicht möglich ist, könnten Kommunalpolitiker als Multiplikatoren wirken, auf Veranstaltungen hinweisen oder europapolitische Gesprächsformate vor Ort anstoßen.Vorstellbar wären Infoabende zu europäischen Fördermöglichkeiten, Veranstaltungen für Jugendliche, Gespräche über die Auswirkungen europäischer Entscheidungen oder Kooperationen mit Schulen und Volkshochschulen.

Weitere Infos: europagemeinderaete.bayern/EU Local Councillors Network:https://eu-local-councillors.europa.eu/

 Stefanie Schneider