Keine Chance für Mitfahrbank
Autor: Saale-Zeitung
, Dienstag, 04. August 2026
Warum sich der Marktgemeinderat mit dem Antrag so schwer getan hat
Mit Anträgen zweier Ratskollegen hatte sich der Bad Bockleter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu befassen: Marcel Dünisch (FCW) wünschte sich die zweckgebundene Wiederherstellung des Steinsammelplatzes in Steinach, sein Kollege Florian Aberer (UW/SPD) die Schaffung eines gemeindeweiten Mitfahrbank-Systems. Während Gemeinderat und Bürgermeister dem Dünisch-Antrag zustimmten, sah sich Aberer nach längerer Diskussion letztlich veranlasst, seinen Antrag wieder zurückzuziehen.
Aberer hatte sich in seinem Antrag der Anregung einiger Großenbracher angenommen, mittels eines in vergangenen Jahren in vielen ländlichen Regionen Deutschlands als Projektidee aufgekommenen Mitfahrbank-Systems „mit überschaubarem finanziellen Aufwand die Mobilität innerhalb der gesamten Marktgemeinde zu verbessern, den Zusammenhalt der Ortsteile zu stärken und ein sichtbares Zeichen für gelebte Nachbarschaft und bürgerschaftliches Engagement zu setzen“.
Trotz des bestehenden Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) besteht nach seiner Meinung insbesondere für kurze Fahrten zwischen den Ortsteilen, zum Rathaus, zu Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen, kulturellen Veranstaltungen oder Vereinsangeboten durchaus zusätzlicher Mobilitätsbedarf. Er schlug deshalb vor, so genannte „Mitfahrbänke“ in den Ortsteilen zu installieren, wie sie sich auch bereits in zahlreichen bayerischen Kommunen als „einfache, kostengünstige und bürgernahe Ergänzung zum ÖPNV“ bewährt hätten.
Bitte um Prüfung
Der Antragsteller bat den Gemeinderat , die Verwaltung mit der Prüfung eines solchen Mitfahrbank-Systems für alle Ortsteile der Marktgemeinde zu beauftragen und anschließend dem Ratsgremium ein Umsetzungskonzept mit Kosten- und Finanzierungsvorschlag unter Einbindung von Fördermöglichkeiten über Programme der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE), der Europäischen Union (LEADER), des Freistaats Bayern sowie Sponsoring- oder Partnerschaftsmodelle zur Beschlussfassung vorzulegen. Zudem schlug Aberer vor, örtliche Vereine, die Senioren- und Jugendarbeit sowie andere mögliche Akteure einzubinden, um eine breite Akzeptanz und Bekanntheit des Projekts zu erreichen. Aberer: „Marketing ist alles, um das System erfolgreich werden zu lassen.“
Doch in der nachfolgenden Diskussion des Ratsgremiums reihte sich ein Gegenargument an das andere: In anderen Ortschaften stünden solche Bänke meist ungenutzt herum und würden mit der Zeit verwahrlost aussehen. Das System sei für konkrete Zeitpläne möglicher Nutzer nicht geeignet. „Wenn jemand tatsächlich zum Supermarkt mitgenommen wird, wie kommt er denn dann wieder zurück?“