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Kafka hat am Sonntag geschlossen


Autor: Saale-Zeitung

Bad Brückenau, Mittwoch, 01. April 2026

Martin Oswald liest in Bad Brückenau.


Aus der oberschwäbischen Provinz ins unterfränkische Hinterland, von Weingarten nach Bad Brückenau, kommt Martin Oswald am Mittwoch, 15. April, um 19 Uhr. Im Gepäck hat er sein Buch „Kafka hat am Sonntag geschlossen“, heißt es in einer Pressemeldung.

Auf Einladung des Kulturbüros der Stadt Bad Brückenau und des Vereins Kunsthaus wird Oswald im Pop-up-Store (Ludwigstraße 44) aus seinen „Beobachtungen eines Flaneurs“ lesen.

Das Buch ist eine charmante Liebeserklärung an die Provinz, entstanden 2023 während eines einmonatigen Aufenthaltes von Martin Oswald in Abenberg, einem knapp 5000 Einwohner zählenden Städtchen im Landkreis Roth, nicht weit von Nürnberg entfernt.

Der langjährige Hausautor des Musikkabaretts „Die Mehlprimeln“ mit Auftritten in der Lach- und Schießgesellschaft, Verfasser zahlreicher Glossen und Satiren (unter anderem in der Süddeutschen Zeitung) sowie Kunstprofessor an einer Pädagogischen Hochschule war dort Turmschreiber von Abenberg.

Bewerben kann man sich nicht auf dieses Amt, vielmehr suchen der Förderkreis der Burg Abenberg und die Stadt Abenberg alle drei Jahre Kandidaten aus, die gegen Unterhalt und Verpflegung sich für einen Monat im Schottenturm einquartieren.

Nebensächlichkeitsforscher

Im Gegenzug ist der Turmschreiber oder die Turmschreiberin bei öffentlichen Veranstaltungen, zum Beispiel in Schulen, präsent und beschäftigt sich literarisch mit der Geschichte und der Region.

Martin Oswald ist diese Aufgabe angegangen, als „Nebensächlichkeitsforscher und Ortsumgehungsethnologe, als Durchzügler auf Zeit, der langsamen Schrittes durch den Ort und über das Land wandert“. Seine Beobachtungen und Erkundungen ergeben eine mit viel Esprit, Hintersinn, Leichtigkeit und Wärme garnierte Beschreibung unserer Welt. Es sind feine literarische Miniaturen, die sich gelegentlich Abschweifungen ins Groteske erlauben.

Türkisches Restaurant

Gerhard Polt würdigt diese Art, „den ruhigen Atem der Provinz“ spürbar zu machen: „Das Sehen aus der Froschperspektive ist eine Kunst und das Gesehene wird zur Einmaligkeit. Man muss schon ein großes Auge und viel Gespür haben, um ein so guter Erzähler zu sein!“

Mit dem berühmten Prager Autor Franz Kafka hat das Buch übrigens rein gar nichts zu tun: Kafka ist (auch) der Name eines türkischen Restaurants in einem Nachbarort von Abenberg – und das ist am Sonntag geschlossen.

Der Vorverkauf erfolgt über das Kulturbüro, E-Mail kulturbuero@bad-brueckenau.de, Telefon 09741/804 22 00, und das Kunsthaus, E-Mail kuhaus@web.de. red