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Handwerk, Herzblut und viel Arbeit


Autor: Saale-Zeitung

, Mittwoch, 01. Juli 2026

Die Kurgärtnerei wartet und schmückt jedes Jahr mehr als ein Dutzend Festwagen für den Rakoczy-Umzug.
Manfred Metz bereitet den Wagen des österreichischen Kaiserpaares Sisi und Franz Joseph I. vor. Benedikt Borst


Von 24. bis 26. Juli steigt in Bad Kissingen das Rakoczy-Fest 2026. Absoluter Publikumsmagnet ist traditionell der große Festzug am Sonntag, 26. Juli, mit allein mehreren 10.000 Besuchern an den Straßen. Manfred Metz ist im Hintergrund dafür verantwortlich, dass dann alles reibungslos funktioniert.

Er baut den Großteil aller Festwagen – und macht sie einsatzbereit. Von nötigen Reparaturen über Ausbesserungsarbeiten bis zur technischen Abnahme und Sicherheitsprüfung. Ohne das Okay von Metz gehen sie nicht auf die Straße. „Es ist ein Haufen Arbeit, aber wenn dann der Festzug vorbei ist und alle zufrieden sind, bin ich sehr stolz“, sagt er.

Der Kfz-Mechaniker arbeitet seit 20 Jahren bei der Kurgärtnerei der Staatsbad GmbH und leitet die Werkstätten. Er nimmt unsere Redaktion mit hinter die Kulissen und zeigt, wie aus einem ausrangierten Traktoranhänger ein bis zu vier Meter hoher Festwagen wird und welcher Wagen in diesem Jahr neu dabei ist.

Wie viele Festwagen und andere Teilnehmer sind beim Rakoczy-Festzug 2026 dabei? 15 Kutschen machen mit sowie 19 Festwagen. Zum Ziehen braucht es 82 Pferde sowie ein Ochsengespann. Die Kutschen werden komplett von der Stadt Bad Kissingen gestellt, 14 Festwagen stellt die Kurgärtnerei, fünf kommen von Vereinen und Firmen.

Für den Festzug 2026 sind mehr als 60 Fuß- und Musikgruppen, Kutschen und Festwagen gemeldet. Etwa 850 Teilnehmende wirken mit, darunter 34 Vereine, 70 Kinder als Schildträger und als Begleitung in den Kutschen und auf den Wagen sowie 22 Kutscher mit Begleitpersonal für die Tiere.

Wie wird aus einem alten Traktoranhänger ein Festwagen? Egal, ob es der ungarische Wagen von Fürst Férenc Rákóczi ist, der Wagen im Stil der Saale-Dampferle oder der mit dem historischen Brunnenpavillon, auf dem die Quellenkönigin fährt – alle Festwagen der Kurgärtnerei sind Unikate, handgearbeitet und von Metz in hunderten Arbeitsstunden gefertigt.

„Für den Unterbau der Feswagen nehmen wir meistens einen alten Ackerwagen, den der Bauer ausrangiert hat“, erklärt Metz. Manche dieser Anhänger haben schon 60 Jahre und mehr auf dem Buckel. Der Vorteil ist, dass sie robust sind und günstig in der Anschaffung. Umgebaut werden müssen sie ohnehin, da die Festwagen sowohl von Traktoren als auch von Pferden- und Ochsengespannen gezogen werden.

Der Unterbau wird neu lackiert, bekommt neue Reifen und eine neue Bremsanlage, die der Kutscher per Hand auf dem Kutschbock bedienen kann. „Für jeden Wagen fertigen ich speziell eine Deichsel und eine Waage an, an die die Pferde eingespannt werden“, sagt er.

Dann beginnt der Aufbau für den eigentlichen Festwagen. Zwischen fünf und sechs Metern sind die Festwagen lang, zweieinhalb Meter breit und bis zu vier Meter hoch. Vorn braucht es den Kutschbock, dahinter kommt der Aufbau für das eigentliche Rakoczy-Motiv. „Ich bekomme Fotos oder andere Vorlagen, die ich dann so gut es geht versuche umzusetzen“, erzählt Metz.

Welcher Festwagen ist 2026 neu dabei? Dieses Jahr hat Metz den Festwagen für Zar Alexander II. neu gebaut, da der alte ausrangiert wurde. Gehalten ist der Wagen in royalen und zu Russland passendem Blau in Rot und Gold, mit einem Thron für den Zaren sowie einem goldenen Fabergé-Ei.

Worin unterscheidet sich ein Rakoczy- von einem Faschingswagen? Ein Unterschied ist das Material. „Ich baue sehr massiv, vor allem aus Holz. Faschingswagen sind leichter gebaut, etwa mit Pappmaschee“, sagt der Mechaniker. Die Mottowagen für Faschingszüge werden ausschließlich von Traktoren gezogen und benötigen deshalb in der Regel keine eigene Bremse. Das übernimmt die Zugmaschine. Da die Rakoczy-Wagen an Tiere angeschirrt werden, müssen sie mit einer separaten Bremsanlage ausgestattet sein.

Welche Sicherheitsaspekte sind zu beachten? Griffe und Geländer sichern die Personen vor Stürzen. Stühle und alle weiteren Elemente sind fest verschraubt. An den Seiten der Wagen reichen sogenannte Schürzen bis kurz über den Boden herunter. Sie verhindern, dass Zuschauer beim Festzug versehentlich unter den Wagen geraten und überrollt werden. Metz sagt: „Sobald ich mit allen Arbeiten durch bin, bestelle ich den TÜV, der die Wagen und Kutschen abnimmt.“

Wie kommen die Wagen zum Startpunkt des Umzuges in die Au? Um 14.30 Uhr startet der Festzug am Sonntag in der Au. Der Arbeitstag in der Kurgärtnerei beginnt bereits früh am Morgen. Ab sechs Uhr werden die Kutschen und Wagen mit hunderten Blumengestecken geschmückt, gegen 9 Uhr checkt Metz technisch ein letztes Mal alles durch. Danach werden die Wagen in mehreren Kolonnen von Traktoren vom Gelände der Kurgärtnerei in Hausen zum Startpunkt gezogen. Weil die Wagen so breit sind und in der Straßenmitte fahren müssen, sichert die Polizei den Hin- und Rücktransport ab.