Ein Bergwochenende am Königssee
Autor: Heinz Steidle
, Dienstag, 25. August 2026
Neun gut gelaunte Bergfreunde des Bad Kissinger Alpenvereins unter Leitung von Fachübungsleiter Sebastian Back machten sich auf den Weg zum Bergwochenende am Königssee. Nach der Bootsfahrt von der Seelände nach Salet begann der Aufstieg über den Kaunersteig zur Gotzenalm. Bei hochsommerlichen Temperaturen war schnell klar: Dieses Wochenende würde nicht nur konditionell, sondern auch schweißtreibend eine Herausforderung werden.
Das eigentliche Highlight des ersten Tages wartete allerding kurz vor dem Ziel. Ander Regenalm wurden wir vom Kuhhirte Horst mit einem herzlichen Winken empfangen. Mit langem weißem Bart, lediglich mit Unterhose bekleidet und ausgestattet mit einem unerschöpflichen Vorrat an flotten Sprüchen überzeugte er die Gruppe mühelos zu einer spontanen Einkehr. Aus einem geplanten kurzen Stopp wurden schließlich ein Bier, eine Kostprobe seines selbst gebrannten Schnapses und eine höchst unterhaltsame Führung über seine Alm. Stolz stellte Horst den Wanderern seine Tiere vor – sogar jedes einzelne Huhn wurde namentlich präsentiert. Spätestens jetzt war klar: Das wird schwer zu toppen sein. Die Gotzenalm, unser Tagesziel erreichten wir gut gelaunt.
Am Samstag führte die Tour weiter zur Wasseralm. Aufgrund der angekündigten Wetterlage musste die Gruppe die ursprünglich geplante Route anpassen und entschied sich für den direkten Weg. Schon auf der Gotzenalm waren die Wanderer von dem anhaltenden Wassermangel gewarnt worden. An der Wasseralm zeigte sich dann, wie ernst die Lage tatsächlich war: Der Bad war vollständig ausgetrocknet. Damit war auch an diesem Tag an Körperpflege nicht zu denken – schließlich war das wenige vorhandene Wasser dafür zu schade.
Der Sonntag begann erneut früh. Wegen der vorhergesagten Gewitter entschied man sich wieder für eine Schlechtwettervariante und machte sich auf den Weg zum Kärlingerhaus. Eine Rast am Halsköpfl bescherte der Gruppe einen traumhaften Blick über den Königssee und ließ die Anstrengung des Aufstiegs schnell vergessen. Am Kärlingerhaus war das beherrschende Thema erneut der Wassermangel. Waschmöglichkeiten gab es keine, stattdessen sorgten vier Dixi-Toiletten und zwei Plumpsklos dafür, viel wasser einzusparen. Selbst ein halber Liter Trinkwasser kostete stolze vier Euro. Spätestens jetzt wurde klar, dass Wasser an diesem Wochenende fast wertvoller war als Bier - und das will in Bayern schon was heißen. Umso größer war die Freude, dass der Funtensee für einige eine erfrischende Abkühlung bot. Nach drei Tagen Hitze fühlte sich das Bad fast wie ein Wellnessurlaub an. Den Abend verbrachte das Team traditionell mit gutem Essen, Karten spielen und vielen Geschichten über die bisherigen Erlebnisse.
Am Montag hieß es schließlich Abschied nehmen. Selbst beim Frühstück machte sich der Wassermangel bemerkbar: Tee gab es keinen mehr, und auch die Wasserausgabe wurde auf einen halben Liter pro Person begrenzt. Anschließend führte der Abstieg über die Saugasse hinunter nach St. Bartholomä. Dort ließ man sich im Biergarten noch einmal eine wohlverdiente Brotzeit schmecken bevor, das Boot die Gruppe zurück über den Königssee brachte.
Vier Tage, unzählige Höhenmeter, hochsommerliche Temperaturen, beeindruckende Berglandschaften und jede Menge gemeinsamer Erlebnisse machten das Bergwochenende zu einer rundum gelungenen Tour. In Erinnerung bleiben werden sicherlich die trockenen Bachläufe, die ständige Suche nach Wasser, das erfrischende Bad im Funtensee und vor allem ein ganz besonderer Gastgeber auf die Regenalm: Kuhhirt Horst.
Wer seine Geschichten gehört, seinen Schnaps probiert und seine Hühner kennengelernt hat, weiß dass man nicht jeden Gipfel erklimmen muss, um das Highlight einer Bergtour zu erleben.