Anhaltende Müdigkeit: Zwei Ärzte sprechen über die Ursachen
Autor: Saale-Zeitung
Münnerstadt, Freitag, 19. Juni 2026
Schlechter Schlaf, ständige Erschöpfung und Tagesmüdigkeit gehören für viele Menschen inzwischen zum Alltag. Doch wann wird aus schlechtem Schlaf ein gesundheitliches Problem? Und welche Ursachen können dahinterstecken? Anlässlich des Tags des Schlafes am 21. Juni sprechen Dr. Bernd Seese, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Pneumologie am Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken in Münnerstadt, sowie Prof. Dr. Maximilian Gahr, M.A., Ärztlicher Direktor des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck, über körperliche und psychische Ursachen von Schlafstörungen.
Dr. Seese, viele Menschen fühlen sich dauerhaft müde oder erschöpft. Wann sollte man Beschwerden ernst nehmen?
Seese: Müdigkeit wird häufig unterschätzt. Viele Betroffene führen ihre Beschwerden zunächst auf Stress, berufliche Belastung oder das Älterwerden zurück. Wenn jemand jedoch trotz ausreichender Schlafdauer dauerhaft erschöpft ist, Konzentrationsprobleme hat oder tagsüber sogar zu Sekundenschlaf neigt, sollte das medizinisch abgeklärt werden. Dauerhafte Tagesmüdigkeit ist kein Zustand, den man einfach hinnehmen sollte.
Welche körperlichen Ursachen spielen dabei besonders häufig eine Rolle?
Seese: Ein häufiges Problem sind schlafbezogene Atmungsstörungen, insbesondere die sogenannte Schlafapnoe. Dabei kommt es während des Schlafes immer wieder zu Atemaussetzern. Entscheidend ist, dass der Körper durch diese Atemaussetzer immer wieder in Alarmbereitschaft versetzt wird. Dadurch werden die wichtigen Tief- und Traumschlafphasen unterbrochen. Obwohl viele Menschen ausreichend lange schlafen, fehlt die notwendige Erholung im Schlaf. Das erklärt, warum sich Betroffene morgens wie gerädert fühlen und tagsüber unter Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen leiden.
Welche Folgen kann das haben?
Seese: Schlafstörungen beeinflussen nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern können langfristig ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Unbehandelte schwere Schlafapnoe erhöht unter anderem das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Gleichzeitig steigt das Unfallrisiko im Alltag und Straßenverkehr durch Konzentrationsstörungen und Sekundenschlaf erheblich. Deshalb ist es wichtig, die Beschwerden ernst zu nehmen.