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Adam und Eva, das sind wir!


Autor: Saale-Zeitung

Bad Kissingen, Donnerstag, 19. Februar 2026

Pfarrer Robert Augustin


Wort zum Sonntag für 22. Februar:

Auf den Türen unserer Kirche St. Michael sind Szenen aus der Bibel dargestellt. Einmal im Jahr schaue ich sie mit meinen Konfirmanden an. Eines der Bilder erkennen die Konfis sofort. Es zeigt einen Mann, eine Frau, einen Baum und eine Schlange. „Das ist die Geschichte mit Adam und Eva im Paradies. Und mit der verbotenen Frucht!“ – ruft ein Konfirmand.

Ich erzähle kurz die Geschichte (Genesis 3). „Ich finde es gemein, dass Gott die arme Schlange bestraft!“ – ruft eine Konfirmandin. Ich erkläre, dass die Schlange in der Geschichte symbolisch für das Böse steht. Das Böse ist nicht geradlinig, sondern es schlängelt sich durch. Es verdreht die Wahrheit.

Gott hatte dem Menschenpaar ja eine klare Ansage gemacht: „Ihr dürft von allen Bäumen im Garten essen.“ Die beiden konnten also das Leben in vollen Zügen genießen. Nur eine Ausnahme hatte Gott gemacht: „Von dem Baum mitten im Garten dürft ihr nicht essen.“

Eigentlich hätte es für Adam und Eva keinen Grund gegeben, dieses eine Verbot zu übertreten. Denn Gott hatte sie mit allem, was sie zum Leben brauchten, reichlich versorgt. Warum einem solchen Gott misstrauen? Warum ihm nicht glauben?

Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht. Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht. Wie war es dazu gekommen?

Unsere Geschichte erklärt es mithilfe der Schlange. Plötzlich taucht sie auf. Sie schleicht sich ein. Sie schlängelt. Sie verdreht Gottes Wort. Gott hatte zu Adam gesagt: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten...“ (Gen 2,16). Die Schlange macht daraus ein Verbot. Sie sagt zu Eva: „Sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt n i c h t essen von allen Bäumen im Garten?“ (Gen 3,1).

Adam und Eva lassen sich verführen. Sie fangen das Böse ein wie ein Virus, das sich nunmehr in ihnen ausbreitet. Sie richten ihren Blick nicht mehr auf Gott, um ihm für das paradiesische Leben zu danken und ihn zu loben. Sondern ihre Augen kleben an der verbotenen Frucht. „Wie lecker die aussieht! Was für ein Erlebnis wäre es, davon zu naschen! Vielleicht meint es Gott gar nicht gut mit uns!“ Die beiden sind dem Bösen ausgeliefert. Es hat von ihnen Besitz ergriffen. Und tatsächlich: Sie essen von der verbotenen Frucht. Sie brechen mit Gott.

„Stimmt diese Geschichte?“ – fragt ein Konfirmand. Er will wissen, ob diese Geschichte tatsächlich so passiert ist. Doch darauf gehe ich nicht ein, sondern antworte: „Adam und Eva, das sind wir. Adam und Eva, das ist die Menschheit. Die Geschichte stimmt!“

Anstatt Gott zu danken und auf ihn zu hören, misstrauen wir ihm. Wir leben in einer Welt, die meint, Gott nicht mehr zu brauchen. Doch anstelle des erhofften Glücks stellt sich Mangel ein. So wie bei Adam und Eva, die plötzlich erkannten, dass sie nackt waren.

Was sollen wir nun tun? Wir könnten versuchen, uns vor Gott zu verstecken oder ihn aus unserem Leben auszublenden. Aber das würde genauso wenig funktionieren wie damals bei Adam und Eva. Gott würde uns finden und zur Rede stellen.

Die sieben Wochen vor Ostern eröffnen uns einen anderen Weg: Gott wieder neu suchen. Auf den schauen, der dem Bösen widerstand, der die Schuld der Welt trug, und der Umkehr ermöglicht: Jesus Christus. Und dann – erneuert durch ihn – zu Ostern das Leben feiern.

                    Ihr Robert Augustin,

                Pfarrer der evang.-luth.

 Kirchengemeinde Hammelburg