Aufrecht bis in den Tod
Autor: Wolfgang Schoberth
Kulmbach, Donnerstag, 20. Januar 2022
Gedenken Das Zinnfigurenmuseum auf der Kulmbacher Plassenburg geht auf die Initiative von August Bonneß zurück. Dies wird nun mit einer Bronzetafel gewürdigt.
Am kommenden Donnerstag wird im Beisein von Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner auf der Plassenburg eine Bronzetafel zu Ehren von August Bonneß eingeweiht. Die Gedenktafel geht auf eine Initiative des Kulmbacher Unesco-Clubs zurück, der vom Rotary Club unterstützt wird. Der Tag könnte nicht besser gewählt sein, da am 27. Januar bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Zu diesen zählt auch der Potsdamer Verlagsbuchhändler, ohne den es das Deutsche Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg nicht gäbe, der sich andererseits dem NS-Regime offen widersetzt hat und seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlen musste.
Kanonen oder Zinnfiguren?
Als leidenschaftlicher Sammler und Vorsitzender der Zinnfiguren-Vereinigung KLIO in Potsdam wird Bonneß von dem Ersten Bürgermeister Hans Hacker nach Kulmbach eingeladen. Als Mitglied eines Ausschusses, der sich am 14. Januar 1928 als der Verein "Freunde der Plassenburg" konstituiert, soll er mitberaten, wie die Plassenburg nach einer 110-jährigen Geschichte als Zwangsarbeiterhaus, Zuchthaus und Gefangenenlager kulturell und touristisch genutzt werden könnte. Doch nicht provinzielles Kleinklein soll es ein, sondern ein Projekt mit überregionaler, ja reichsweiter Ausstrahlung. Neben Bonneß gehören dem 13-köpfigen Vorstand bekannte Fachleute an, zum Beispiel der Kulmbacher Historiker Fritz Limmer, der Architekt und Burgenforscher Bodo Ebhardt, Major Otto Müller (Berlin) und der Kulmbacher Sammler Erhard Wurzbacher. Doch Bonneß gibt von Anfang an die Richtung vor. Er sprüht vor Ideen, ist beredt, freundlich und humorvoll. Als Miteigentümer des größten Potsdamer Verlags verfügt er über viele Kontakte und auch über beträchtliche Geldmittel. Seine Begeisterung für Zinnfiguren, aber auch für Geschütze, ist ansteckend.
Ehrgeizige Pläne
Der Potsdamer, der mit dem Glanz Preußens und des Deutschen Kaiserreichs aufgewachsen ist, verfolgt ehrgeizige Pläne. Zunächst hat er die Vision, auf der Plassenburg ein nationales Artilleriemuseum aufzubauen, vergleichbar mit Paris oder Madrid. Doch der Anlauf scheitert, da eine statische Prüfung ergibt, dass die Decken der Festung einer Belastung durch Geschütze nicht standhielten.
Daraufhin schlägt er der Runde vor, ein nationales Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg einzurichten. Am 29. April 1929 erfolgt der förmliche Beschluss. Während der internationalen Ausstellung kulturhistorischer Zinnfiguren in Leipzig im September 1930 gelingt es Bonneß, renommierte Sammler als Leihgeber für die Plassenburg zu gewinnen. Exakt zwei Jahre später kann das Deutsche Zinnfigurenmuseum mit stolzen 40 Dioramen im Westflügel der Burg eröffnet werden.