"Ich geh nauf und mäh' mei Plätz", sagt Konrad Wenzel. Dass er von "seinen" Plätzen spricht, wenn er hinauf zum Sportgelände geht, sagt eigentlich alles: Der "Kunner", wie er von allen gerufen wird, ist auf dem Sportgelände zu Hause. Für den Vorstand des SC Reichmannsdorf ist der Mitarbeiter unersetzlich. Und das nicht nur als Platzwart, sondern auch wegen seiner Eigenschaft, gut vermitteln und Konflikte lösen zu können, wie Zweiter Vorstand Patrick Herderich findet.

"Ich bin ein Dorfmensch", sagt Kunner von sich. Der Reichmannsdorfer legt Wert darauf, mit der in Franken üblichen Version seines Vornamens gerufen zu werden. Vereine gehören für ihn zum Dorf - und zu seinem Leben. Sein ganzes Herz gehört dem SCR, dem Sportverein, dem er seit seiner Jugend angehört und den er durch Höhen und Tiefen begleitet hat.

Bereits sein Vater sei Gründungsmitglied im SCR gewesen, erzählt er. Als Kind habe er bis ins Alter von 14 Jahren beim SCR Fußball gespielt. Dann folgte eine Zeit, in der die "Süßen Jungs" Kunners Aufmerksamkeit beanspruchten. Zehn Jahre lang lenkte er als Vorsitzender den bekannten Reichmannsdorfer Stammtischverein. Auch Vorsitzender der Jagdgenossenschaft war er eine Zeit lang.

Verantwortung beim Sportclub übernahm Wenzel ab 1982. Zunächst als Schülerbetreuer, sechs Jahre später als Leiter der Fußballabteilung.

2003 wurde Konrad Wenzel dann zum Ehrenamtsbeauftragten des SCR bestellt. In der Vorstandschaft schätzt man vor allem seine ruhige und besonnene Art, mit der er dafür sorgt, dass die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung gut funktioniert. Seit nahezu 40 Jahren arbeitet er inzwischen in der Führungs des SCR mit. Vom BLSV wurde er dafür mit der Verdienstnadel in Gold mit Kranz ausgezeichnet.

Auch Herr des Grills

Seit 2006 ist Konrad Wenzel als Platzwart für die beiden Rasenspielplätze zuständig. Zuerst habe er nur mitgeholfen. "Auf einmal war ich Platzwart", erzählt er. In der Hauptsaison bedeute dies, zwei- bis dreimal pro Woche den Rasen zu mähen. Dabei stehen ihm einige Helfer zur Seite, insbesondere wenn es um die Pflege der Außenanlagen geht. Seit den 1980er Jahren ist er zudem bei den Heimspielen "der Herr des Grills".

Gern erinnert sich Kunner an die Zeit, als Reichmannsdorf mit Dieter Trunk einen Bundesligaspieler in seinen Mauern hatte. "Er war unser Idol", sagt er. Um mit den Fans nach Kaiserslautern zu fahren, wo Trunk unter Vertrag stand, habe er mehrere Busfahrten organisiert. Einmal sei sogar eine ganze Blaskapelle dabei gewesen.

"Die Arbeit ist für mich keine Last", sagt Wenzel. Er empfinde sie vielmehr als Ausgleich. "Er ist eher auf dem Sportplatz zu finden als daheim", stellt Zweiter Vorsitzender Patrick Herderich fest. So sieht es auch Wenzel: Die Arbeit auf dem Sportgelände stehe für ihn an erster Stelle, dann erst die zu Hause. "Wenn es in dieser Reihenfolge klappt, bin ich zufrieden." Dass er als Heilerziehungspfleger in Gremsdorf ausschließlich nachts Dienst hat, kommt ihm bei seinen vielen Aufgaben zugute.

Dabei ist er auch noch so etwas wie der Gemeindediener in Reichmannsdorf. Er trägt das "Blädla", also das Mitteilungsblatt der Stadt, aus und stellt seinen Reichmannsdorfern die Briefe der Stadtverwaltung zu.

Gute Mischung im Vorstand

Aktuell ist "der Kunner" ganz begeistert von der Führungsmannschaft des Sportclubs. Eine gute Mischung von Jung und Alt sei das. Dass vier Frauen mitmischen, begrüßt er: Sie hätten eine andere Sicht auf die Dinge.

Seine Leidenschaft für Fußball hat Konrad Wenzel auf seinen Sohn Sven übertragen. Nach verschiedenen höherklassigen Vereinen ist der 26-Jährige zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, spielt beim SC Reichmannsdorf und ist Co-Trainer.