Arbeitsplatz mit Verfallsdatum
Autor: Redaktion
Kulmbach, Dienstag, 21. August 2018
Die NGG fordert bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Befristungen dürften nicht länger grundlos ausgesprochen werden.
Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach? Im Landkreis Kulmbach können sich derzeit rund 420 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger.
Eine große Hürde nach der Ausbildung, so die NGG in einer Pressemitteilung, sei jedoch der Trend zum Job auf Zeit, also zur Befristung. Solche "Arbeitsplätze mit Verfallsdatum" sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier sind bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet.
Ähnlich sieht es bei den Neueinstellungen aus: Hier zählt die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten sind diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe.
"Eine Unsitte"
Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken, spricht von einer "Unternehmer-Unsitte". Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. "Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag", so Grundl.
Dass Berufseinsteiger besonders betroffen sind, zeigt auch die amtliche Statistik. So waren in Bayern im vergangenen Jahr zwölf Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt - Azubis nicht mitgerechnet. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. Danach hatten insgesamt 362 000 Bayern lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag - das ist immerhin jeder 17. Beschäftigte.
Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Grundl mit einem Kopfschütteln: "Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen." Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter.