Ansätze für Leben und Wohnen im Alter
Autor:
Hallstadt, Freitag, 29. November 2019
Hallstadt — So lange wie möglich in den vertrauten vier Wänden wohnen - so lautet der Wunsch vieler Menschen mit Blick auf ihre persönliche Wohnsituation im Alter. "Wie man das schaffen kann, ist lei...
Hallstadt — So lange wie möglich in den vertrauten vier Wänden wohnen - so lautet der Wunsch vieler Menschen mit Blick auf ihre persönliche Wohnsituation im Alter. "Wie man das schaffen kann, ist leider eine Frage, die man sich zu oft, zu spät stellt", stellte Verena Bentele bei der Podiumsdiskussion fest.
Trotz jungen Alters weiß die zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon, wovon sie spricht. Die ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung steht seit 2018 als Präsidentin an der Spitze des größten Sozialverbandes Deutschlands, VdK. Bentele war Ehrengast bei einer Podiumsdiskussion des Bamberger Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz (SPD) im Kulturboden in Hallstadt.
Nur fünf Prozent aller Wohnungen in Deutschland gelten als altersgerecht. Im Schnitt kostet der Umbau rund 16 000 Euro. Aber auch die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist laut Erika Jäger, Kreisvorsitzende des VdK Bamberg, mehr als ausbaufähig. "Das gilt auch für unsere Kommunen im Landkreis", so Jäger. Regelmäßig führe der VdK in den Gemeinden Ortsbegehungen durch, um auf Hindernisse im Alltag hinzuweisen.
Wohnen im Alter sei nicht nur eine Frage der Barrierefreiheit. Es gehe auch um die Nahversorgung, kurze Wege, die Bezahlbarkeit von Wohnraum, die Pflegesituation und nicht zuletzt um die Teilhabe der Menschen am öffentlichen Leben. "Gemischte Wohnformen für alle Altersgruppen stärken den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Im besten Fall leben unterschiedlichste Generationen unter einem Dach", erklärt Verena Bentele in ihrem Impulsvortrag.
Architekt Ulrich Manz erläuterte, dass man ein Bewusstsein in den Kommunen benötige, wie man mit dem Thema umgeht. Kurze Wege bei der Nahversorgung seien wichtig. Die hohe Nachfrage treibe Grundstückspreise nach oben, worauf man reagieren müsse. Leerstände in den Ortskernen böten beispielsweise die Chance, geeignete Wohnquartiere zu entwickeln. "Wenn weniger Raum zur Verfügung steht, muss man den vorhandenen Platz effektiver nutzen", forderte der Architekt.
Als Bundespolitiker wirbt Schwarz für einen massiven Einstieg der Kommunen in den sozialen Wohnungsbau. Der Leerstand in den Ortsmitten könne genutzt werden. "Ich sehe unsere Städte und Gemeinden künftig als zentrale Akteure auf dem Wohnungsmarkt." Die Kommunen könnten das Angebot privater Investoren optimal ergänzen. Bund und Länder unterstützen Städte und Gemeinden, damit altersgerechtes Wohnen auch bezahlbar bleibe. Eine durchdachte Bauleitplanung könne den Einkauf, den Arztbesuch sowie die Teilhabe am öffentlichen Leben bis ins hohe Alter ermöglichen, warb er.