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Als das Bad ein Park werden sollte


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Herzogenaurach, Freitag, 20. Mai 2016

Exakt vor 20 Jahren präsentierte die CSU Pläne für einen Stadtpark auf dem Gelände an der Tuchmachergasse. Das altehrwürdige Freibad hätte geschlossen und ans Atlantis angegliedert werden sollen.
Das ist der Plan vom 23. Mai 1996 für einen Stadtpark anstelle des alten Freibades.  Fotos: FT-Archiv


Bernhard Panzer

Zwei Jahrzehnte ist es her, als eine wichtige Entscheidung in Herzogenaurach vor der Tür stand. Was sollte mit dem Freibad geschehen, Sanierung oder Neubau oder gar eine Schließung? So lautete die Schlüsselfrage, die die Stadt an der Aurach politisch spaltete.
Die eine Seite wollte das Freibad "retten", wie sie es selbst formulierten, was letztlich auch gelang. Das altehrwürdige Freibad an der Tuchmachergasse gibt es heute noch. Inzwischen ist so viel Wasser die Aurach hinuntergelaufen, dass die Streitereien von einst aus vielen Gedächtnissen heraus geschwemmt wurden. Die andere Seite, die von der Regierung, betrachtete das Problem aus einem anderen Blickwinkel und wollte das Bad ans Atlantis angliedern. Aus dem alten Freibadgelände hätte dann ein Stadtpark werden sollen. 1#googleAds#100x100
Exakt auf den Tag vor 20 Jahren wurde im Planungsamt des Rathauses ein Vorentwurf gefertigt, der den Befürwortern eines Stadtparks an die Hand gegeben wurde. Das waren die Fraktionen von CSU und Freien Wählern. Damals war Hans Lang gerade zum zweiten Mal Bürgermeister geworden.
Er erinnert sich im FT-Gespräch noch genau an die Zeit, als man die Stadtparkpläne aus dem Ärmel zog. Die Gegnerschaft, vor allem aus den Reihen der Grünen, liefen dagegen natürlich Sturm. "Die haben in der Öffentlichkeit behauptet, wir würden einen Parkplatz bauen wollen", sagt Lang, der heute noch CSU-Kreisrat ist. "Das war natürlich Quatsch", ergänzt er. "Wir wollten einen Stadtpark, der den Bürgern ganzjährig zur Verfügung gestanden hätte.
Viel Grün, ein kleiner Teich, eine Minigolfanlage und eine Spielfläche, die im Winter zum Eislaufen gedient hätte, sowie ein Café oder ein Biergarten - das waren die Vorstellungen für ein Areal, das mitten in der Stadt liegt und sich für ihre Bürger von daher wunderbar als Fläche für Freizeit und Erholung angeboten hätte, meinte Lang. Er steht heute noch für diese Idee, schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Wenn man das Freibad ans Atlantis angegliedert hätte, hätte man die dortige Technik und Infrastruktur nutzen können. Und es hätte auch länger als nur im Sommer geöffnet sein können.
Mit dem Bamberger Ingenieur Hans-Helmut Fröb fand man auch einen Gutachter, der das ähnlich sah. Für ihn schied eine Generalsanierung als nicht möglich aus, und bei der Neubaufrage hatte er den Standort Atlantis bevorzugt. Das hätte mit 16 Millionen DM zwar 300 000 DM mehr gekostet als Neubau an alter Stelle, der Betrieb wäre aber rentabler gewesen. Die Kosten für die Anlage eines Stadtparks bezifferte Fröb übrigens mit knapp 900 000 Mark.
Bekanntlich ist aus den Plänen des Bürgermeisters und seiner Partei nichts geworden. Die Bürgerinitiative setzte sich durch und erreichte einen Bürgerentscheid. Am 21. Juli 1996 sprachen sich die Herzogenauracher mit einem deutlichen Ergebnis von knapp 70 Prozent, aber bei geringer Wahlbeteiligung von 35 Prozent, wie sich Lang erinnert, für die Erhaltung des alten Freibads aus. Das wurde dann generalsaniert.
Die Stadtparkpläne der CSU wanderten in die Schublade, verschwanden aber noch lange nicht aus dem Gedächtnis. Im Jahre 2004 versuchte man, die Landesgartenschau nach Herzogenaurach zu holen. Das allerdings fiel vermutlich der geringen Größe der Stadt zum Opfer, wie Lang sich erinnert. "Ein Sanierungsgebiet in dem Sinne hatten wir nicht", sagte er. Die Landesgartenschau kam 2012 nach Bamberg, 2024 ist Erlangen an der Reihe.
An dem Bewusstsein, dass Herzogenaurach offenbar ein Naherholungsdefizit hat, änderte sich im Lauf der Zeit aber nichts. 2013 wurde erneut die Idee eines Stadtparks in den Ring geworfen, der entlang der Aurach geschaffen werden könnte. So eine Naherholungsfläche entlang des Flusses ist im Übrigen in der Rahmenplanung für eine Aufwertung der Schütt enthalten. Auch der heutige Bürgermeister German Hacker (SPD) will den Aurachgrund abschnittsweise aufwerten.